ÖSTERREICH vom 29.5.2007: Frauen Gehör verschaffen
29.05.2007
Gastkommentar von Außenministerin Ursula Plassnik
Auch im Nahen und Mittleren Osten sind Frauen die ersten Leidtragenden von Gewalt. Ein Netzwerk soll ihnen helfen. Mit der internationalen Konferenz "Frauen in führenden Positionen - Netzwerke für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten" betreten wir Neuland. Erstmals werden zwei wichtige Themen miteinander verknüpft: die beharrlichen Friedensbemühungen der internationalen Gemeinschaft im Nahen Osten und der Beitrag der Frauen zur Stabilisierung und Entwicklungen ihrer Gesellschaften, besonders in Konfliktsituationen.
Auch im Nahen und Mittleren Osten sind Frauen vielfach die ersten Leidtragenden von Gewalt, Unsicherheit, wirtschaftlichen Einschränkungen sowie Zugangshindernissen zur Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Dabei leisten gerade sie tagtäglich einen unschätzbaren, viel zu wenig beachteten Beitrag für den Zusammenhalt und die Entwicklung ihrer Gesellschaften.
Bei meinen Reisen in den Nahen Osten ist es mir ein persönliches Anliegen, mit engagierten Frauen aus Politik, Medien, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft zusammenzutreffen. In der gesamten Region rücken Frauen zunehmend auch in Positionen öffentlicher Verantwortung vor. Ihr hartnäckiger Einsatz in einem gesellschaftspolitisch schwierigen Umfeld ist beeindrucken. Aus leidvoller Erfahrung haben sie einen besonders wachen Sinn für die Erfordernisse von Sicherheit und Stabilität in ihrem Umfeld. Als Praktikerinnen im Überwinden vielfältiger Barrieren haben sie ein Gespür für das jeweils Mach- und Leistbare.
Mit der Wiener Konferenz biete ich den engagierten Frauen aus Nahost gemeinsam mit hochrangigen Entscheidungsträgerinnen aus Europa und den USA eine Plattform für den Austausch von konkreten Ansätzen und Erfahrungen im Umgang mit nahöstlichen Konfliktsituationen. Es geht um gezieltes Netzwerken von Frauen in einflussreichen Positionen quer über die Grenzen von Politik und Religion hinweg. Um das Ausloten der Frage, wie Frauen in verschiedensten Berufswelten einen spezifischen Beitrag zur Friedenssuche im Nahen Osten leisten können - ob als Ministerinnen, Unternehmerinnen, Medienexpertinnen oder NGO-Vertreterinnen.
Die Probleme im Nahen Osten können durch Frauen alleine nicht besser oder rascher gelöst werden. Sehr wohl können aber ihre Anliegen und ihre praktischen Friedensbeiträge sichtbarer werden. Der Nahe Oste ist nicht nur eine Krisenregion, sondern eine Region mit einem ungeheuren positiven Potenzial - menschlich, politisch und wirtschaftlich. 50 Prozent davon bestehen aus der Kreativität, dem Talent und dem Einsatz von Frauen. Es gilt, dieses Potenzial bewusster zu machen.
Das positive Echo auf meine Initiative ist ermutigend. Es ist ein Zeichen für die wachsende Bereitschaft in der Region, der Stimme der Frauen Gehör zu verschaffen und aktiv alle Kontakt-, Überzeugungs- und Einflussmöglichkeiten in unserer gemeinsamen Suche nach Frieden und Sicherheit zu nützen.
