Interview der Salzburger Nachrichten mit Außenministerin Ursula Plassnik
29.05.2007
Interview: Alexandra Parragh
Salzburger Nachrichten: Außenministerin Plassnik will Politikerinnen weltweit vernetzen. Daher hat sie Staatsfrauen aus aller Welt nach Wien geladen. Auch aus verfeindeten Ländern. Kommenden Mittwoch und Donnerstag geht in der Hofburg eine internationale Konferenz zum Thema "Netzwerke für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten" in Szene. Unter anderem werden US-Außenministerin Condoleezza Rice, ihre israelische Amtskollegin Tzipi Livni und die palästinensische Abgeordnete Hanan Ashrawi erwartet.
Die SN sprachen mit Gastgeberin Ursula Plassnik.
Was ist das eigentliche Thema dieser Konferenz?
Plassnik: Ich versuche zwei Dinge zu verknüpfen. Das eine Thema ist die Rolle der Frau in Friedensprozessen. Wie die UN-Resolution 1325 (Einbindung von Fraueninteressen in Friedensprozessen) zeigt, ist das ja auch ein wichtiges Thema der Vereinten Nationen und damit auch für uns Außenministerinnen. Der zweite Themenstrang ist der Nahe Osten, der uns alle ebenso beschäftigt. Daher versuchen wir diese beiden Stränge zu verknüpfen und zu vernetzen.
SN: Was erwarten Sie sich davon, dass hochrangige Politikerinnen aus zum Teil in Konflikt befindlichen Ländern an einem Tisch sitzen - etwa Hanan Ashrawi und Tzipi Livni?
Plassnik: Unser Ziel ist es, Netzwerke zu ermöglichen, Impulse zu setzen, für die betroffenen politischen Verantwortungsträgerinnen aus diesen Regionen, aber nicht nur von dort. Wir haben bewusst Frauen eingeladen, die aus Gesellschaften kommen, die vor kurzem noch gewaltsame Konflikte erlebt haben. Wie eben die Außenministerin aus Burundi (Antoinette Batumubwira) oder die kroatische Außenministerin (Kolinda Grabar-Kitarovic). Sie alle können ihre Erfahrungen und ihre Vorstellungen einbringen. Wir bieten ihnen dafür einen Rahmen, ein Thema und die gemeinsame Überzeugung, dass es auf dieser Friedenssuche notwendig ist, sich auszutauschen. Das klingt zwar auf der einen Seite bescheiden. Wenn man aber sieht, welche schwierigen und komplexen Beziehungen diese Länder untereinander haben, merkt man, dass das gar nicht selbstverständlich ist.
SN: Bedeutet das, dass auf dieser Konferenz dann konkrete gemeinsame Projekte zur Sprache kommen?
Plassnik: So weit sind wir noch nicht. Diese Konferenz soll traditionelle Dialoge durch etwas Neues ergänzen. Es ist eine Premiere, dass sich Frauen aus diesen Regionen in dieser Art zusammensetzen.
SN: US-Außenministerin Condoleezza Rice hat aber am Rande der letzten UNO-Generalversammlung in New York im September vorigen Jahres ein ähnliches Treffen organisiert.
Plassnik: Es gibt ein Grundnetzwerk der Außenministerinnen, das "Women Empowerment Network". Die bevorstehende Konferenz hat sich daraus entwickelt und setzt mit dem Thema Frauen und Nahost einen neuen Akzent.
SN: In wieweit unterscheiden sich Ihre Erfahrungen von denen anderer Außenministerinnen? Gibt es da große Unterschiede?
Plassnik: Eigentlich nicht. Das ist das Überraschende daran, egal wo die Frauen herkommen. Aber natürlich ist jede dieser Frauen eine Pionierin auf ihre Art und Weise.
SN: Warum gibt es immer mehr Frauen als Politikerinnen?
Plassnik: Frauen sind in vieler Hinsicht durch bewaffnete Konflikte besonders betroffen. Vielleicht kommt aus diesem Erleben und diesem Bewusstsein auch das Engagement. Aber ich glaube nicht, dass das die einzige Erklärung ist. Es ist eine Entwicklung, die sich in unseren Gesellschaften widerspiegelt, in denen Frauen zunehmend auch politische Verantwortung übernehmen, sich engagieren. Und zwar nicht nur auf der Ebene Außenminister oder Regierungsmitglied, auch auf kommunaler Ebene.
SN: Was wünschen Sie sich ganz persönlich für diese Konferenz?
Plassnik: Ich hätte mir sehr gewünscht, dass wir auch ein weibliches Mitglied der palästinensischen Einheitsregierung hätten zu diesem runden Tisch bitten können. Aber so weit sind wir noch nicht.
