Statement von Mag. Brigitte Ederer zum Europakongress
26.02.2005
"Gemeinsame Erfahrungen - Gemeinsame Perspektiven"
10 Jahre Österreich in der Europäischen Union
Europakongress, Wien, 25. - 26. Februar 2005
Statement von
Mag. Brigitte Ederer
Staatssekretärin 1992 - 1995
Vorstandsdirektorin Siemens AG Österreich
Roger de Weck (Moderator):
Ihr Name ist verbunden mit dem Ederer-Tausender, an den sich - wie das Lachen (des Publikums) bezeugt - alle Österreicherinnen und Österreicher erinnern. Wie kamen Sie auf die Idee des Ederer-Tausender? Spontan oder war das eine wohl ausgeklügelte PR-Strategie?
Brigitte Ederer:
Also, erstens befürchte ich so und so, dass von 17 Jahren politischer Tätigkeit der Kuss des Herr Außenministers und der Ederer-Tausender überbleiben. Ich tröste mich damit, dass das mehr ist als von vielen anderen Kollegen, die 16 Jahre in der Politik waren. Das ist das Erste.
Das zweite ist: Ich habe das nicht spontan gesagt. Außerdem - das ist mir in diesem Zusammenhang noch wichtig: Ich habe es nicht vor der Volksabstimmung gesagt, sondern ich habe es am 28. Dezember 1994, also drei Tage vor unserem Beitritt, gesagt, wo wir eine Studie zur Frage erarbeiten ließen: Wie schaut der Beitritt konkret für die Österreicherinnen und Österreicher aus? Was merken sie sofort? Da waren die Konsumentenpreise natürlich ein Thema.
Tatsache ist: Es ist auch jetzt am Freitag im (Magazin) "Format" wieder eine Berechnung gewesen. Ich würde sagen, im Großen und Ganzen ist der sogenannte Ederer-Tausender für eine vierköpfige Familie (und für eine solche habe ich ihn damals zwar nicht versprochen, aber sozusagen als Erwartung in den Raum gestellt), gekommen.
Es gibt aber mehrere Probleme, die sich darum mischen:
Das eine ist, dass wir 1995 im Jänner ein neues Maßnahmen-Paket der Bundesregierung beschlossen haben. Die Leute unterscheiden in der Regel nicht, es werden die Nahrungs- und Genussmittel günstiger, aber gleichzeitig steigen Wassergebühren, Mieten etc. Das heißt, diese Vermengung hat dazu geführt, dass die Österreicherinnen und Österreicher eigentlich das Gefühl gehabt haben, der EU-Beitritt bringt uns nicht wirklich Preissenkungen.
Zum anderen würde ich meinen, dass die Bereiche, die dem Wettbewerb ausgesetzt sind, sehr wohl - das kann man auch nachvollziehen - günstiger geworden sind. Bei den Dienstleistungen "hapert" es, wie man so schön sagt. Hier möchte ich einfach einmal den Verdacht in den Raum stellen, dass die Euro-Einführung - und da kann die Europäische Union nichts dafür, weil die schafft keine Preise an - dass die Euro-Einführung von Teilen der österreichischen Dienstleister dazu verwendet worden ist, um gleich 1:1 umzurechnen. Also, was früher sozusagen öS 10,-- gekostet hat, hat dann 1 Euro gekostet. Dass da eine Differenz ist, das ist das Problem.
Roger de Weck: Das wäre dann der "Ederer-Hunderter".
Ich gehe davon aus, dass in den Dienstleistungsbereichen einfach die Euro-Einführung verwendet worden ist, um Preiserhöhungen durchzusetzen in einem Maße, die sonst nicht durchzusetzen gewesen wären. Das ist ein Problem, bei dem es mir leid tut ist, dass es die Menschen mit der Europäischen Union verbinden. Aber wie viel eine Torte in Zwettl kostet, beschließt nicht die Europäische Union, schreibt es auch nicht vor, sondern das ist der zuständige Konditor, und den müssten eigentlich die Konsumenten dorthin bringen, dass er wieder das Preisniveau senkt.
Roger de Weck: Herzlichen Dank.
