Statement von DI Peter Mitterbauer zum Europakongress
26.02.2005
"Gemeinsame Erfahrungen - Gemeinsame Perspektiven"
10 Jahre Österreich in der Europäischen Union
Europakongress, Wien, 25. - 26. Februar 2005
Statement von Peter Mitterbauer
Präsident der Österreichischen Industriellenvereinigung 1996 - 2004
Vorstandsvorsitzender MIBA AG
Roger de Weck ( Moderator): Wir sind hier in einem traditionsreichen Raum, in einem traditionsreichen Haus, das durch und durch verbunden ist mit der österreichischen Europapolitik; wollen Sie uns das zu Beginn ganz kurz schildern?
Das tue ich gerne, schönen guten Morgen, meine Damen und Herren. Es ist natürlich für mich eine große Freude, hier wieder zu sitzen, wo ich acht Jahre lang gesessen bin in großen Veranstaltungen, sozusagen als Hausherr, und ich liefere Ihnen gerne einen kleinen geschichtlichen Rückblick über die Bedeutung dieses Hauses auch im Zusammenhang mit dem Beitritt zur EU. Es ist ja bei der gestrigen Startveranstaltung bereits so schön gesagt worden, dass der EU-Beitritt Österreichs in einem großen geschichtlichen Kontext zu sehen ist. Im Endeffekt hat das ganze ja auch mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges seinen Beginn gehabt. Und in diesem Hause ist zwischen 1945 und 1955 der Alliierte Rat gesessen, die Industriellenvereinigung selbst war delogiert. In diesem Hause selbst haben im April 1955 die entscheidenden Endverhandlungen für den Staatsvertrag stattgefunden. Für uns war der Abschluss des Staatsvertrages und die Feier des Staatsvertrages nicht nur die große Freude im Sinne von "Österreich ist frei" sondern auch im Sinne von: dieses Haus ist für uns wieder frei.
In den 70er-Jahren haben sich in diesem Hause in den entscheidenden Gremien des Vorstandes große emotionelle Debatten abgespielt um die Frage, ist Österreich Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft oder wird Österreich Mitglied in der EFTA oder bleibt Österreich Mitglied in der EFTA. Das hat einen entscheidenden historischen Hintergrund gehabt. Es hat maßgebliche ältere Herren gegeben, die in dem Bestreben, insbesondere der Jugend, in die Europäische Gemeinschaft, die spätere Europäische Union einzutreten, einen verdeckten Anschluss oder Wiederanschluss an Deutschland gesehen haben. Sehr verständlich aus ihrer geschichtlichen Erfahrung, und daher ist diese Gruppe sehr entscheidend immer für einen Verbleib Österreichs in der EFTA eingetreten, also in der Europäischen Freihandelszone.
Die "junge Industrie" - ein maßgeblicher Vertreter von ihr sitzt heute unter uns, ein großer Europaparlamentarier: Dr. Paul Rübig - und der heutige Präsident der Wirtschaftskammer, Dr. Christoph Leitl und meine Wenigkeit als etwas ältere waren die Gruppe, die massiv in den 80er-Jahren Österreichs Beitritt zur Europäischen Union gefordert haben. Der damalige Präsident, Dr. Christian Bäuerle - übrigens wie die vorgenannten auch ein Oberösterreicher, man hat daher immer von der Oberösterreicherfraktion in Wien gesprochen - sind dann im Jahr 1988 erstmals an die Öffentlichkeit getreten, die den Vollbeitritt Österreichs zur Europäischen Union gefordert haben, dazumals ein gewagtes und nicht von allen begrüßtes Vorhaben und eine öffentliche Enunziation.
Es hat dann nach den Beschlüssen der Beitrittsverhandlungen und in Hinblick auf die Volksabstimmung, die am 12. Juni 1994 stattgefunden hat, zusammen mit den Gewerkschaften initiiert von diesem Hause eine sehr breit angelegte Kampagne gegeben, in den Unternehmen selbst die Vorteile und die Nachteile eines Beitritts darzustellen. Ich glaube, wir haben dazumals einen nicht unmaßgeblichen Beitrag geliefert, dass wir ein so glänzendes zwei Drittel Pro-Votum für den Beitritt bekommen haben. Es gab dann am 12. Juni hier in diesem Raum ein Freudenfest und über das weitere, was sich seither, seit 1994, abgespielt hat, nehme ich an, werden wir später diskutieren.
Herzlichen Dank.
