Eröffnungsfeier des neuen Amtsgebäudes Minoritenplatz 8
08.07.2005
Rede von
Bundesministerin Dr. Ursula Plassnik
anlässlich der Eröffnungsfeier
des neuen Amtsgebäudes Minoritenplatz 8
Wien, 8. Juli 2005
Meine Damen und Herren,
wir haben gestern mit Abscheu und Entsetzen von den schrecklichen Anschlägen in der Londoner Innenstadt erfahren. Die einmütige Verurteilung dieser Verbrechen in aller Welt zeigt, dass wir entschlossen sind, gemeinsam gegen den Terrorismus anzukämpfen, mit allen Mitteln, die unseren demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaften zur Verfügung stehen. Wir werden uns dem Terrorismus, dem Schrecken und der Angst nicht beugen. Den Opfern dieser Anschläge gilt unsere Anteilnahme und unsere Solidarität. Ich darf Sie daher bitten um eine Minute des stillen Gedenkens.
Ich danke für dieses Zeichen der Solidarität.
Meine Damen und Herren,
wir feiern heute ein Familienfest der besonderen Art, die Eröffnung unseres neuen Hauses und ich freue mich, dass so viele Ehrengäste und Mitarbeiter gekommen sind, die ich – und Sie erlauben das – nicht gesondert, sondern als Freunde, als Familienmitglieder, bei uns willkommen heißen darf. Der Wetterfrosch hat uns einen Strich durch unsere ursprünglichen Planungen gemacht. Wir wollten dieses Fest in den Innenhöfen unseres neuen Hauses feiern, aber so ganz unter Kontrolle haben wir es nicht, andererseits lassen wir uns durch ein paar Regentropfen auch nicht unterkriegen.
Ich freue mich besonders, dass unter den heutigen Gästen insgesamt sieben meiner Amtsvorgänger vertreten sind. Sie setzen damit ein Zeichen der Verbundenheit mit diesem Haus und mit den Mitarbeitern. Schön ist es auch, dass die drei Initiatoren und Ermöglicher heute bei uns sind: Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und Kommissarin Dr. Benita Ferrero-Waldner, herzlich willkommen.
Durch die Übersiedlung der Niederösterreichischen Landesregierung nach St. Pölten ist dieser Umzug überhaupt erst möglich geworden. Der damalige Außenminister Dr. Wolfgang Schüssel hat die Idee gehabt, dem auf mehrere Standorte verteilten Außenministerium einen eigenen einheitlichen Standort zu geben und die notwendigen Entscheidungen getroffen. Benita Ferrero-Waldner hat die Umsetzung durchgeführt. Wir sind heute die Nutznießer ihrer Entschlusskraft und dafür ein herzliches Dankeschön.
Insgesamt 286 Jahre lang war die Adresse des Außenministeriums der Ballhausplatz 2. Wir haben uns daher nicht ohne eine gewisse Sentimentalität von diesem Platz getrennt. Aber die Erfahrungen der ersten Monate in diesem Haus zeigen uns eindeutig, es lohnt sich, es bewährt sich. Wir gewinnen neuen Schwung durch das räumliche Miteinander, selbstverständlich auch durch die technische Infrastruktur, die durch die modernen Arbeitsplätze bedeutend verbessert wurde. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jetzt nicht mit uns in diesem Raum sein können, schauen uns über Computerbildschirme zu. Sie seien herzlich gegrüßt.
Das Außenministerium hat sich hier von sechs Standorten wiedervereinigt. Heute arbeiten wir unter einem Dach, genauer gesagt sind es zwei Dächer, verbunden durch eine gläserne Brücke. Diese Brücke ist auch zu einer Art optischem Symbol für das neue Außenministerium geworden, für unsere Arbeit als Brückenbauer zwischen Österreich und der Welt.
Ich danke an dieser Stelle dem Architekten Gerhard Lindner, der es verstanden hat, den Charme der Wiener Innenstadt mit den Anforderungen eines zeitgemäßen Auswärtigen Dienstes zu verbinden und der diesem Haus ein besonderes Flair, eine Mischung von Alt und Neu gegeben hat. Ich danke auch dem Museum für Völkerkunde, das mit seinen Exponaten die Welt auch sichtbar in dieses Haus gebracht hat.
Ein Wort vielleicht zu unserer Arbeit hier im Außenministerium in dieser Zeit. Das Außenministerium ist ja auch gleichzeitig das Europaministerium der Republik Österreich. Und wir wissen aus einer nunmehr 10jährigen Erfahrung, dass sich diese Organisationsform auch in der Praxis bewährt hat. Wir bieten allen Ressorts, dem Parlament, unseren Mitgliedern des Europäischen Parlaments, die ich auch hier begrüße, den Bundesländern und der österreichischen Bevölkerung unser Fachwissen an und unsere Vernetzungen mit der Welt. Wir sind eine Schaltstelle für Informationen, für Analysen, Positionen und Anliegen und darin liegt eigentlich das strategische Kernelement dieses Hauses. Wir vertreten Österreichs Anliegen in der Welt, wir tragen aber auch gemeinsam die Verantwortung, Europa und die Welt unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen unermüdlich zu erklären und auch spürbar zu machen.
Gerade angesichts mancher skeptischer Stimmen zu Europa in diesen Tagen möchten ich allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen heute unmissverständlich sagen, unser Wirken hier in Österreich ist ein ebenso wichtiger Anteil unserer Arbeit wie unsere Arbeit jenseits der Grenzen. Ja, hier zu Hause sind wir in Zukunft noch mehr gefordert. Tun wir das engagiert, was Erwin Pröll so gut ausgedrückt hat. Den Widerspruch zu Europa in Zuspruch verwandeln. Viele Menschen wollen, dass ihnen zugehört wird. Sie wollen einen Ansprechpartner für ihre Sorgen und für ihre Befürchtungen. Auch darauf wollen wir eingehen, so gut wir können. In einer ersten Etappe haben wir daher ein besonderes Dialogangebot geschaffen, das Sie über die Homepages von Außenministerium und Bundeskanzleramt erreichen können. Unter dem Stichwort "Europa hört zu" über Außenministerium und Bundeskanzleramt kann uns jeder sagen, was er von Europa erwartet, was ihn stört und welches Europa er sich für die Zukunft vorstellt. Ich lade Sie alle ein, von diesem Angebot Gebrauch zu machen und für dieses Angebot zu werben.
Wir sind ein junges Haus, meine Damen und Herren, und wir wollten das auch sichtbar zum Ausdruck zu bringen. Wir haben daher gemeinsam die Idee gehabt, als kleines bewusstes Zeichen die Europäer von heute und von morgen um ihre Meinung zu fragen. Das Ergebnis sehen Sie hier vor sich und Sie sehen es vor allem in den Gängen unseres Hauses. Wir haben über 40 Bilder ausgestellt, die gemalt wurden von Kindern im Alter von 8 bis 10 Jahren. Sie haben ihre Vorstellungen zu Reisen, zu Grenzen und zur Welt zum Ausdruck gebracht und ich bin sehr stolz auf die Vielfalt und den Phantasiereichtum ihrer Werke.
Besonders gefallen haben uns auch die Titel, die die jungen Künstler für ihre Werke gefunden haben, denn sie schildern eigentlich am besten unsere Alltagsarbeit im Außenministerium und ich nenne jetzt stellvertretend einige: "Die zwei Sonnen", "Wasser im Wald", "Ein einsames Boot unter dem Regen", aber auch "Die wilden Vulkane", "Omas Garten im Burgenland", "Der Eiffelturm", "Die chinesische Mauer", ein junger Künstler hat sie Ziegel für Ziegel gemalt und "Ein fröhlicher Tag am Mittelmeer". Ich danke den Kindern, die mitgemacht haben, ich danke Frau Direktor Gabriele Grossebner von der Volksschule Notre Dame de Sion und den Freunden vom Museum Leopold für die wirklich gute Zusammenarbeit.
Ein bisschen schwer getan haben wir uns bei der Auswahl der Bilder, die wir heute prämieren wollen. Wir tun das daher nur stellvertretend. Jedes der Bilder hat eine ganz eigene Botschaft, hat einen ganz eigenen Reiz. Aber ich darf doch stellvertretend jetzt zwei Kinder zu mir bitten und die Frau Direktorin. Als erstes bitte ich Simon Dietz zu mir, er hat das kraftstrotzende Bild "Die zwei Sonnen" gemalt.
Dann bitte ich Marie Schneider zu mir. Sie hat das Bild "Ein einsames Boot unter dem Regen" gemalt.
Ich möchte mich zum Abschluss besonders noch bei Wolfgang Loibl und bei Peter Niesner, der heute Morgen von einer Dienstreise nach Abuja zurückgekommen ist, bedanken. Die beiden haben die organisatorische Hauptlast in der Bauzeit und in der Übersiedlungszeit getragen. Sie haben dafür gesorgt, dass wir für die bevorstehende EU-Präsidentschaft auch optimal ausgerüstet und gerüstet sind.
Einer kann heute nicht bei uns sein, von dem ich Sie herzlich grüßen lasse, er ist in meinem Auftrag in Dubrovnik, unser neu ernannter Staatssekretär Hans Winkler.
Und ganz zum Schluss möchte ich noch allen Kolleginnen und Kollegen, den 585 hier in Wien und den 749 in aller Welt viel Freude wünschen im neuen Haus, Gesundheit, Nervenkraft, Zuversicht und auch das Wissen um und das Gefühl für Gemeinsamkeit und Verbundenheit. Miteinander werden wir es schaffen. Danke.
