Ferrero-Waldner bei der Internationalen Konferenz über die Sicherheit radioaktiver Quellen
11.03.2003
Es gilt das gesprochene Wort!
Internationale Konferenz
über die Sicherheit radioaktiver Quellen
10. - 13. März 2003
Kongresszentrum Hofburg
Rede der Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten
Dr. Benita Ferrero-Waldner
Wien, 11. März 2003
Herr Präsident,
Herr Generaldirektor,
Exzellenzen,
meine Damen und Herren!
Es ist mir eine große Freude, Sie hier in der Wiener Hofburg, dem früheren kaiserlichen Palast, willkommen zu heißen, der schon in der Vergangenheit Ort vieler wichtiger Konferenzen war. Als Gastgeberin dieser bedeutenden Konferenz hoffe ich, dass Sie trotz des dichten Programmes Zeit finden werden, auch die Wiener Gastlichkeit zu genießen.
Die Eleganz der Hofburg steht in krassem Gegensatz zu dem Thema, mit dem Sie sich in den nächsten drei Tagen ausführlich beschäftigen werden. Die Terroranschläge des 11. September 2001 in New York haben der Welt auch die potenzielle Gefahr des nuklearen Terrors vor Augen geführt. Heute steht die Welt am Rande eines Krieges, in dem es um die Frage der Massenvernichtungswaffen geht.
Gerade die Höhlen von Tora Bora haben gezeigt, wie weit Terrornetzwerke beim Bau von primitiven radiologischen Streubomben, sogenannten "schmutzigen Bomben", gekommen sein könnten. Obwohl es bei der Explosion von "schmutzigen Bomben" zu Toten und Verletzten in wesentlich geringerer Zahl käme als bei einer Atomexplosion, wären die Auswirkungen dennoch entsetzlich. Panik und Chaos würden in der Bevölkerung ausbrechen, ein solcher Anschlag hätte schwere psychische Folgen für die Menschen. Die Kosten einer großräumigen Evakuierung der betroffenen Bevölkerung, die Reinigung des verseuchten Gebiets und die langfristigen gesundheitlichen Risiken wären enorm.
Es ist natürlich unmöglich, die Wahrscheinlichkeit von Anschlägen mit "schmutzigen Bomben" genau einzuschätzen. Genau aus diesem Grund ist aber die Kontrolle starker radioaktiver Quellen "von der Wiege bis zur Bahre" dringend notwendig, um sie vor Terrorakten, Diebstahl oder falschem Umgang zu schützen. Die große Zahl von Unfällen, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten zur Verseuchung durch radioaktives Material geführt haben, deuten ebenfalls in diese Richtung.
Wie die IAEO wiederholt ausgeführt hat, wurden in den letzten 50 Jahren Millionen radioaktiver Quellen weltweit verbreitet, sie dienen in einer Vielzahl von medizinischen, landwirtschaftlichen, industriellen und forschungsbezogenen Anwendungsbereichen dem Nutzen der Menschheit. Die Sicherheit radioaktiver Materialien wurde bisher traditionell eher weniger streng gehandhabt. Daher besteht die klare Notwendigkeit, die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken und zusätzliche Maßnahmen zu überlegen und umzusetzen, die einen potenziell böswilligen oder unbeabsichtigten Einsatz radioaktiver Quellen verhindern.
Da Strahlung nicht an Grenzen haltmacht, ist die Sicherheit radioaktiver Quellen ein legitimes Anliegen aller Staaten. Für die einzelnen Länder gilt es, ihren eigenen Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie der internationalen Staatengemeinschaft zu zeigen, dass starke und wirksame Sicherheitssysteme existieren und dass die Gefahren, die von Terroristen ausgehen, welche entschlossen sind, die zivilisierte Welt ins Chaos zu stürzen, nicht zu unterschätzen sind. Unsere Bürgerinnen und Bürger werden uns, die Regierungen, an der Sicherheit messen, für die wir sorgen.
Diese Konferenz ist deswegen so wichtig, weil sie - und ich zitiere aus dem ihr erteilten Mandat- "dazu beitragen kann, ein besseres Verständnis für das Wesen der Gefahren eines potenziell böswilligen Einsatzes radioaktiver Quellen zu fördern, ebenso wie für Möglichkeiten, um die Wahrscheinlichkeit dieser Gefahren herabzusetzen und für die notwendigen Maßnahmen, die bei einem Eintreten dieser Gefahren sicherstellen, dass die Staaten vorbereitet und reaktionsfähig sind".
In diesem Zusammenhang möchte ich die Gelegenheit ergreifen, Generaldirektor Mohamed El Baradei und seinem Team für die intensive und harte Arbeit der vergangenen Jahre zu danken, in denen sie als Katalysator für die Bemühungen vieler Regierungen gedient haben, wenn es darum ging, sich der Herausforderung radioaktiver Quellen zu stellen, und vor allem, wenn es darum ging, dem nuklearen Terror vorzubeugen und ihn zu bekämpfen. Wie wir alle wissen, bietet die IAEO den Regierungen in diesem Zusammenhang eine breite Palette von Leistungen an, von der Unterstützung bei der Auffindung, Sicherung und Entsorgung starker radioaktiver Quellen bis zur Bereitstellung von Geräten und zur Ausbildung von Grenzwachebeamten und anderem Exekutivbeamten. Ich bin sicher, das eindrucksvolle Expertenwissen der Atomenergiebehörde wird anregend und bereichernd auf unsere Diskussion wirken.
Mehr als je zuvor steht die IAEO bei ihren Bemühungen um eine Verhinderung der Verbreitung nuklearer Kriegsmaterialien weltweit im Zentrum der Aufmerksamkeit, stehen wir doch an einem historischen Wendepunkt, an diesem diese dringende Frage allenthalben die nationale Agenda beherrscht. Die IAEO und die anderen Einheiten der Vereinten Nationen in Wien spielen eine äußerst wichtige Rolle in der Unterstützung der UN und insbesondere des Sicherheitsrates bei der Erfüllung ihrer Aufgabe der Erhaltung des Weltfriedens angesichts neuer Gefahren des Terrors und der Massenvernichtungswaffen.
Herr Vorsitzender, abschließend freue ich mich, dass nicht nur die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle unsere Erwartungen übertroffen haben, sondern auch deren Rang. Dies beweist, welch großen Stellenwert viele Länder der Sicherheit radioaktiver Quellen und dieser Konferenz beimessen. Ich zweifle nicht im Mindesten, dass diese Mischung aus politischen Entscheidungsträgern und Experten die Konferenz zum Erfolg führen wird. Ich wünsche Ihnen anregende und lebhafte Debatten und - was noch wichtiger ist - ein fruchtbares Ergebnis ihrer Arbeit.
