Das künstlerische Schaffen der Wiener Aktionisten in der Sammlung Essl
Erste umfassende Retrospektive der Wiener Aktionisten in Polen
Krakau, 9.November 2011 - Mit der ersten umfassenden Präsentation des Wiener Aktionismus im Rahmen einer Leistungsschau aus der Sammlung Essl im neuen Museum für Gegenwartskunst der Stadt Krakau wird eine bedeutende österreichische und die damalige österreichische Gesellschaft provozierende Kunstrichtung der 60er Jahre zum ersten Mal umfassend in Polen gezeigt. Hermann Nitsch, Mitbegründer des Wiener Aktionismus und einer der bedeutendsten österreichischen Gegenwartskünstler, nahm an der Ausstellungseröffnung am 8. November in Krakau teil.
Der aktuellen Kunstforschung zufolge wollten die Protagonisten dieser Kunstbewegung durch ihre Ausdrucksform und als Vertreter der Nachkriegsgeneration gegen die Erstarrung der österreichischen Gesellschaft und des damaligen Kulturverständnisses protestieren. Dieser dynamische Aufbruch hat seither zu einer Erweiterung des Kunstbegriffs geführt. Im Sinne der von den Aktionisten entwickelten „Direkten Kunst“ wurde eine Ästhetik des rohen Materials und des Körpers zur Kunstform mit politischer Signifikanz. Der Wiener Aktionismus ist einer der bedeutendsten Beiträge der österreichischen Kunst zu den internationalen Neoavantgarden der 1960er Jahre, die mit ihren multimedialen, prozessorientierten und performativen Ausdrucksformen den Kunstbegriff nachhaltig erweiterten.
Die Ausstellung legt den Fokus auf fotografische Dokumente aktionistischer Performances von Günter Brus, Hermann Nitsch und Otto Muehl sowie auf die wesentlichen Aktionsfotografien von Rudolf Schwarzkogler. Ergänzt wird die Schau durch exemplarische Malereien und Schüttbilder von Hermann Nitsch sowie Bilddichtungen von Günter Brus. Mehrere Videoarbeiten machen daneben den Aktionismus besonders nah-, fühl- und erlebbar: Gezeigt werden zwei vom Essl Museum in Auftrag gegebene Aufführungen des Orgien Mysterien Theaters von Hermann Nitsch sowie ein von Günter Brus persönlich zusammengestelltes und gestaltetes Videokompendium mit seinen wichtigsten Aktionen und Performances.
Dokumentiert wird diese umfassende Ausstellung (insges. über 400 Fotografien, ein dutzend Malereien und drei Videos)im Museum für Gegenwartskunst in Krakau, das zur Zeit als das für moderne Kunst interessanteste Museum Polens gilt. Das Museum befindet sich in jener Emailwarenfabrik in Krakau, in welcher während des Zweiten Weltkriegs Oskar Schindler über tausend jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in den Vernichtungslagern des Nationalsozialismus rettete.
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