APA: Spindelegger will "Balkannetz enger knüpfen"
Außenminister beim "Croatia Summit" in Dubrovnik - Kroatien will Grenzstreit mit Montenegro "zivilisiert" lösen
Zagreb/Dubrovnik (APA) - Außenminister Michael Spindelegger (V) reist mit zwei Botschaften zu der zweitägigen Südosteuropa-Konferenz "Croatia Summit", der am heutigen Freitag in Dubrovnik beginnt: Einerseits will er der "Balkanmüdigkeit" eine "klare Absage erteilen", andererseits die Länder Südosteuropas auffordern, abseits der notwendigen Reformprozesse Versöhnungsarbeit in der Region zu leisten, hieß es seitens seines Büros zur APA. Spindelegger wolle die Konferenz nützen, um sein "Balkannetz" enger zu knüpfen.
Spindelegger will seine Ideen, die er schon beim informellen Außenministertreffen der EU mit den Westbalkan-Staaten in Sarajevo vor einem Monat vorgestellt hat, weiterverfolgen: Das Konzept der Roadmaps müsse demnach weiterentwickelt und eine Art Screening des zu übernehmenden EU-Rechtsbestandes bereits ab 2011 für alle Westbalkanstaaten durchgeführt werden. Damit will er "einer gewissen Frustration" in der Region, die gegenüber der EU aufgekommen war, entgegenwirken. "Die Länder in der Region dürfen nicht nur auf die EU schauen, sondern auch auf die Nachbarländer", sagte ein Sprecher Spindeleggers. Das betreffe nicht nur Serbien, das die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennt. Dass Serbien an dem Gipfel nicht teilnimmt, bezeichnete er als "bedauerlich", denn die Erwartungshaltung sei, dass der Wille zur Vertrauensbildung da ist. "Jede Möglichkeit dazu sollte genützt werden."
An seinen Beziehungen zu den Nachbarn will auch Kroatien arbeiten. Nicht nur will man sich mit Slowenien über den Markteintritt der Ljubljanska Banka (NLB) in Kroatien einigen. Auch mit Montenegro gibt es einen Grenzstreit um die Halbinsel Prevlaka in der Bucht von Kotor. Die Außenminister Kroatiens und Montenegros, Gordan Jandrokovic und Milan Rocen, wollen die Grenzfrage "auf europäische und zivilisierte Art lösen", sagte Jandrokovic im Vorfeld der hochrangigen Konferenz. Derzeit werden die unterschiedlichen Lösungsansätze von einem eigens eingesetzten Ausschuss gesammelt.
Der Gipfel mit dem Titel "Südosteuropa angesichts globaler Herausforderungen" beginnt offiziell am Freitagnachmittag, eröffnen werden ihn die kroatische Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und Präsident Ivo Josipovic. Neben hochrangigen Politikern aus den EU-Staaten, dem Westbalkan und Kanada wurde zunächst auch der italienische Premier Silvio Berlusconi erwartet, doch er sagte am Donnerstag ab.
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APA0248 2010-07-09/12:12
