Winkler: "Kultur und Politik stehen in enger Wechselwirkung"
08.09.2006
Staatssekretär Hans Winkler bei der Auslandskulturtagung 2006
Wien, am 8. September 2006 - "Die Vermittlung der kulturellen Leistungen eines Landes nimmt in der internationalen Diplomatie einen wichtigen und nicht zu unterschätzenden Stellenwert ein. Außenpolitik und Kultur sind in Österreich seit jeher eng miteinander verflochten. So wird Österreich weltweit auch als eine bedeutende Kulturnation wahrgenommen", betonte Staatssekretär Hans Winkler in seiner gestrigen Rede anlässlich der Auslandskulturtagung 2006 zum Thema "Internationale Resonanzen - Der Beitrag der Kultur zur "public diplomacy". ´
"Die österreichische EU-Präsidentschaft hat bewusst der kulturellen Dimension des europäischen Projektes viel Aufmerksamkeit gewidmet. Für Österreich ist es auf Grund seiner eigenen Geschichte und Tradition selbstverständlich, dass sich Europa auch als Projekt der kulturellen Vielfalt weiterentwickeln muss. Es geht um die öffentliche Meinung in anderen Ländern, die wir jenseits des Bereiches der traditionellen Diplomatie erreichen wollen. Die immer wieder zitierte Krise der Europäischen Integration wird zu Recht nicht nur auf politische und wirtschaftliche Probleme und Differenzen zurückgeführt, vielfach kann schon ein besseres Verständnis der Kultur eines andern Staates von Bedeutung sein", sagte Winkler.
"Wenn es um internationale Resonanzen geht, so hat Österreich sicherlich gewisse kulturelle Standortvorteile, die in der Welt zu einem Markenzeichen für Österreich geworden sind. Seien es die Wiener Philharmoniker, das Neujahrskonzert, die Linzer "Ars Electronica" oder die vielen Sommerfestivals, um nur einige Beispiele zu nennen. Leider gibt es aber auch viele Fragen in der internationalen Politik, die sich nicht allein durch mehr Kulturaustausch lösen lassen. So liegen die Wurzeln diverser Konflikte, wie der Nahostkonflikt, leider schon zu tief, so dass kulturelle Initiativen, wie ein gemeinsamer Musikunterricht von arabischen und israelischen Kindern am Österreichischen Hospiz in Jerusalem, nur einer von vielen notwendigen Beiträgen sein kann", so der Staatssekretär.
"So erleben wir heute immer wieder medial vermittelte "kulturelle Differenzen", die oft auch außenpolitische Folgen haben". Die Beispiele reichen vom Karikaturenstreit in Dänemark bis zu den Auseinandersetzungen um die Berliner Ausstellung "Erzwungene Wege", die sich mit den Vertreibungen im 20. Jahrhundert beschäftigt.
"Künstler und Wissenschaftler, sowie die Macht der Bilder und der Worte beeinflussen die öffentliche Meinung und nehmen in gewissem Maße auch Einfluss auf die Politik eines Landes, da Ereignisse durch die internationale Vernetzung innerhalb kürzester Zeit medial weltweit verbreitet werden können. Auslandskulturpolitik arbeitet an den Schnittstellen zwischen Image und Identität. Österreich führt daher eine aktive Auslandskulturpolitik, weil wir darin eine Chance sehen, einen erkennbaren und auch für Österreich selbst sehr wertvollen Beitrag zum Dialog zwischen Kulturen zu leisten. So haben wir zur Unterstützung der europäischen Perspektive der Westbalkanstaaten die Initiative "Culture Matters" gestartet, die der Überwindung mentaler Grenzen durch mehr Kulturaustausch dienen soll", erklärte Winkler abschließend.
Rückfragehinweis:
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