Kurienkardinal Ignatios Moussa I. Daoud bei Außenministerin Ferrero-Waldner
22.10.2001
,,Die Taliban haben den Frauen in Afghanistan das Gesicht genommen"
Wien, 22. Oktober 2001 - Außenministerin Benita Ferrero-Waldner empfing am Montag, 22. Oktober, den Präfekten der vatikanischen Kongregation für die orientalischen Kirchen, Kardinal-Patriarch Ignatios Moussa I. Daoud zu einem Gespräch in Wien.
Der hochrangige Kurienkardinal, der sich im Rahmen der kirchlichen Feierlichkeiten zum Jubiläum ,,300 Jahre Mechitharistenorden" in Wien aufhält, ist syrischer Abstammung, war katholischer Bischof in Kairo und danach als Patriarch von Antiochien Oberhaupt der syrisch-katholischen Kirche mit Sitz in Beirut. Er gilt als hervorragender Kenner des Nahen Ostens. lange Zeit syrisch- Diesem Fragenbereich sowie der weltpolitischen Situation nach den Terroranschlägen vom 11. September galt das Hauptaugenmerk bei den Gesprächen.
Ferrero-Waldner berichtete von ihrer jüngsten Nahostreise, Kardinal Daoud seinerseits über die jüngsten Reisen des Papstes, an denen er teilgenommen hatte, insbesondere jene nach Armenien und Zentralasien. Einen hohen Stellenwert nahm der Dialog der Zivilisationen und insbesondere jener zwischen Christentum und Islam bei den Gesprächen ein. Außenministerin Ferrero-Waldner brachte ihre Bewunderung über den unermüdlichen Einsatz von Papst Johannes Paul II für die Verständigung zwischen den Konfessionen zum Ausdruck.
,,Viele Menschen haben - angesichts des Terrors - eine falsche und häufig nur klischeehafte Vorstellungen vom Islam. Ich habe daher bei meinen jüngsten Besuchen im Nahen Osten ganz bewußt den Kontakt zu islamischen Geistlichen gesucht. Der Islam ist eine friedliche Weltreligion, die eine Weltkultur hervorgebracht hat. Davon muss aber strikt der Fundamentalismus unterschieden werden, der eine politische Ideologie ist und den Islam als Allheilmittel für politische und soziale Probleme predigt. Es handelt sich dabei klar um den politischen Missbrauch des Islams durch radikal-fundamentalistische Strömungen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass dieser Missbrauch auch in der arabischen Welt als Bedrohung empfunden wird. Es träumt dort niemand von einer Welt, wie sie den Taliban vorschwebt. Die Taliban haben den Frauen in Afghanistan das Gesicht genommen. Wir sind gemeinsam aufgerufen ihnen ihr Gesicht und ihre Würde wiederzugeben", sagte die Außenministerin.
