Wirtschaft
Österreich ist seit Jahresbeginn 1995 Mitglied der Europäischen Union. Der bereits mit der Teilnahme am Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) seit Jänner 1994 erfolgte ökonomische Anpassungsprozess wurde mit dem EU-Beitritt noch vorangetrieben. Mit der EU-Mitgliedschaft boten sich Österreich nun auch Perspektiven für eine Fortentwicklung der Integration über ökonomische Belange hinaus, vor allem in den Bereichen Handels-, Agrar-, Regional-, Steuer- und Geldpolitik.
Österreich hat dazu die besten Voraussetzungen, zählt es doch zu den wohlhabendsten und stabilsten EU-Mitgliedstaaten. Das österreichische Wirtschaftssystem der Marktwirtschaft mit starker Betonung sozialer Elemente zugunsten der wirtschaftlich Schwächeren wird auch in der EU fortbestehen, ebenso das bewährte Instrumentarium der Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft, die im Rahmen der Lohn- und Preispolitik traditionell eine starke, konfliktausgleichende Rolle spielt.
Österreich gehört auf Grund des erreichten Konvergenzstatus zu jenen 11 EU-Ländern, die mit Jahresbeginn 1999 in die Stufe 3 der Wirtschafts- und Währungsunion eingetreten sind. Mit der Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen am 1.Jänner 2002 wurde der vorläufige Höhepunkt eines langjährigen wirtschaftlichen Annäherungs- und Integrationsprozesses erreicht. Damit ist zwar die Möglichkeit einer national eigenständigen Geld- und Währungspolitik verloren gegangen, Österreich ist dafür aber gleichzeitig Mitglied des zweitgrößten Wirtschaftsraumes der Welt.
Österreich ist ein hoch entwickeltes Industrieland mit einem bedeutenden Dienstleistungsanteil. Wichtigste Industriezweige sind Nahrungs- und Genussmittel, Maschinen- und Stahlbau, Chemie und Fahrzeuge. Im Fahrzeugbereich ist die Motoren- und Getriebeproduktion wichtigster Teilbereich mit einer Exportquote von über 90 %. So werden etwa pro Jahr rund 800.000 Motoren erzeugt, die sich in vielen bekannten Automarken wieder finden. Bei elektronischer Technologie hat sich Österreich insbesondere bei maßgeschneiderten Elektronikprodukten wie Chips und integrierten Schaltkreisen (Entwicklung von Chips für Airbag, ABS-Bremssysteme; Bauteile für Airbus oder Schnellzüge usw.) international einen Namen gemacht.
Nur etwa 2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kommt aus dem Primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft), während etwa 31% auf den Sekundären Bereich entfallen (Güterproduktion, Energie, Bergbau). Aus dem Tertiären Sektor stammen etwa 67% des BIP (Dienstleistungen, Geldwirtschaft, öffentlicher Dienst, Handel, Verkehr, Tourismus).
Im Agrarbereich konnte ein zunehmender Trend hin zu biologisch geführter Landwirtschaft festgestellt werden. Österreich nimmt mit 11,9% der Biobetriebe eine Spitzenposition unter den EU-Staaten ein. 88,1% der Biobetriebe widmen sich der biologischen Viehhaltung.
Der volkswirtschaftliche Anteil der landwirtschaftlichen Nutzung in Österreich beträgt 56%. Hiervon entfallen 18% auf den Ackerbau. Der Anteil der Forstwirtschaft liegt bei 44%. 5,4% der Erwerbstätigen sind in der Land- und Fortwirtschaft beschäftigt.,
Auf dem Sektor der Rohstoff- und Energiegewinnung verfügt die Alpenrepublik über reiche Ressourcen. Eisenerz, Nichteisenmetalle, wichtige Steine und Erden sind vorhanden, doch macht eine stetig expandierende Industrie in zunehmendem Maße ergänzende Importe erforderlich. Dies gilt auch für Brennstoffe und Energieträger sowie für die Elektrizitätswirtschaft. Österreich besitzt eigene Erdöl- und Erdgasvorkommen. Das Wasserkraftpotential wird laufend ausgebaut. Österreich ist das Wasserkraft-Land Nummer eins in der Europäischen Union.
Industrie und Gewerbe weisen in Österreich einen hohen Anteil an Mittelbetrieben auf. Die Österreichische Industrie umfasst alle Branchen, von der Urproduktion bis zur arbeitsintensiven Finalerzeugung. Zunehmend wichtig wird der Anlagenbau (d.h. die Planung, Lieferung und Montage kompletter Produktionsanlagen einschließlich des Know-how), der einen starken Exportanteil aufweist, aber auch der Elektroniksektor, wie etwa die Herstellung integrierter Schaltungen.
Österreichisches Kunsthandwerk ist weltbekannt, insbesondere feine Handarbeiten, Modeschmuck, Keramik und Glasarbeiten.
Der Tourismus ist eine der wesentlichen Säulen der österreichischen Wirtschaft. Österreich ist ein Gebirgsland und eine der Naturland-Reserven Mitteleuropas. 2010 besuchten rund 33 Millionen Gäste Österreich. 7 von 10 Touristen kommen aus dem Ausland. Unter den Österreich-Gästen nimmt Deutschland eine führende Rolle ein. Wichtige Herkunftsländer der ausländischen Gäste bezogen auf die Nächtigungszahlen sind: neben Deutschland die Niederlande, Schweiz, Lichtenstein, das Vereinigte Königreich sowie Italien und Ungarn.
Österreichs Außenhandel wies 2011 eine positive Handelsbilanz auf. Es konnte eine Exportsteigerung von 7,9 % erreicht werden. Ebenso verzeichnete der Import ein Wachstum von 9,2 % gegenüber dem Vorjahreswert. Damit ergibt sich ein Plus von 0,4 Mrd. Euro. Innerhalb der EU setzt sich der Trend einer Außenhandelssteigerung fort, wenngleich sich hier ein Handelsbilanzdefizit von 2,2 Mrd. Euro ergibt. Im Außenhandel mit Drittstaaten konnte Österreich mit einem Aktivum von 2,6 Mrd. Euro eine positive Handelsbilanz erzielen.
Führende Exportbereiche sind Maschinen und Fahrzeuge, bearbeitete Waren (Leder und Lederwaren, Eisen und Stahl) sowie chemische Erzeugnisse. Hier konnte in allen drei Bereichen eine positive Wachstumsrate gegenüber 2010 ermittelt werden. Österreichische Autozulieferer bilden die Spitze der von Österreich ins Ausland exportierten Industrieartikel. Ein weiteres wichtiges Exportgut ist Wein. 2006 wurde Wein im Warenwert von 77 Mio. Euro exportiert. Die wichtigsten Handelspartner im innergemeinschaftlichen Verkehr sind Deutschland, Italien, Frankreich und die Tschechische Republik. Österreich konnte in den letzten Jahren auch zunehmend den osteuropäischen Raum als neuen Absatzmarkt hinzugewinnen. Der EU-Beitritt der osteuropäischen Staaten (Polen, Tschechische Republik, Slowakei und Slowenien) führte zu einer Erhöhung der Exportquote um 17,3% im Zeitraum zwischen 2003 und 2005. Die USA bilden den wichtigsten Überseemarkt. Weitere wichtige Handelspartner sind China, die Russische Föderation und die Schweiz.
Die Arbeitslosenquote in Österreich lag im Jahre 2010 bei 4,4 %. Gemessen am EU-Durchschnitt von 9,7% liegt Österreich damit im Spitzenfeld.
In dem Maß, in dem sich Österreich auf weltpolitischem Gebiet zu einem Treffpunkt der Nationen entwickelt, wovon zahlreiche Gipfelgespräche, Kongresse und Konferenzen Zeugnis ablegen, wird das Land auch auf dem Transportsektor zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den Wirtschaftsräumen Europas. Wachsende Bedeutung kommt dabei dem europäischen Energietransit, also der Beförderung von Erdöl, Erdgas und elektrischem Strom, durch Österreich zu.
Neben dem EU-Beitritt Österreichs waren die Neunziger Jahre also ganz wesentlich durch den Aufschwung des Außenhandels mit den Oststaaten geprägt. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Verflechtung übersteigt teilweise sogar die Werte, die während der Donaumonarchie erzielt wurden. Durch den EU-Beitritt und den Druck der Globalisierung hat Österreich im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wichtige Schritte zur Effizienzsteigerung und Modernisierung seiner Wirtschaft gesetzt. Entscheidend wird es sein, diesen Weg mit ganzer Kraft fortzusetzen.
Österreich stellt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts als moderner, selbstbewusster EU-Mitgliedstaat dar, der mit Zuversicht in die Zukunft blickt.
