Stellung in der Welt
Mit dem Ende des Kalten Krieges ist Österreich von seiner Randlage an der Grenze zwischen "Ost" und "West" verstärkt in das Zentrum eines größeren Europas gerückt. Anstelle des Ost-West-Konflikts, der bis zum Zerfall der Sowjetunion und dem Zusammenbruch des Kommunismus bestimmender Faktor war, entwickeln sich in Europa neue Formen partnerschaftlicher Zusammenarbeit.
Vor diesem Hintergrund hat Österreich 1995 bedeutende Weichenstellungen vollzogen: Seit 1. Jänner ist Österreich Mitglied der Europäischen Union (EU), dessen Ratsvorsitz es 1998 und 2006 übernahm. Mit dem Eintritt in die Europäische Union gelang Österreich nicht nur die langersehnte Teilnahme an einem zukunftsträchtigen Wirtschaftsprojekt sondern auch an einem Friedensprojekt, welches Stabilität und Sicherheit auf dem europäischen Kontinent verspricht. In diesem Sinne war Österreich von Beginn an vor allem an einer Integration seiner Nachbarstaaten in Ost- und Mitteleuropa sowie auf dem Westbalkan bemüht.
Im Februar 1995 nahm Österreich die Einladung zu einer Teilnahme an der NATO-Partnerschaft für den Frieden an. Im Rahmen des Individual Partnership Programme unterstützt Österreich die NATO bei Friedenseinsätzen, im Krisenmanagement sowie bei Rettungseinsätzen in Katastrophengebieten. Diese Schritte schließen an die langjährige aktive Mitgliedschaft Österreichs in den Vereinten Nationen, im Europarat und in der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, an. Österreich beteiligte sich an Einsätzen im Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Afghanistan. Österreichs Mitgliedschaft in internationalen Gremien wie den Vereinten Nationen, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und dem Europarat beweisen das ernsthafte Bemühen Österreichs die Sicherheits- und Friedenspolitik dieser Organisationen nach allen Kräften zu unterstützten Österreich beteiligte und beteiligt sich aktiv an den Einsätzen der UN-Blauhelme im Nahen Osten (UNDOF, UNTSO), Zypern (UNFICYP) und Afrika (UNOWA) durch die Bereitstellung von UN-Truppen, außerdem mit Personalentsendung an zahlreichen weiteren UN-Missionen und Missionen der OSZE.
Als einer der Amtssitze der Vereinten Nationen beherbergt die Bundeshauptstadt Wien die IAEO, die UNIDO, CTBTO und weitere Mitglieder der UN-Organisationenfamilie (UNODC, UNCOPUOS). Wien ist auch Sitz des Sekretariats und des Ständigen Rats der OSZE, sowie der OPEC und des OPEC Fund. Ebenso findet sich in Wien die für Grund- und Menschenrechtsfragen zuständige EU-Grundrechtagentur.
Wien war auch wiederholt der Ort für weichenstellende Gipfeltreffen der Großmächte und andere wichtige internationale Verhandlungen. Ebenso ist Wien immer wieder Treffpunkt internationaler Konferenzen und Kongresse, bei denen gegenwärtige Herausforderungen und Problembereiche diskutiert und Lösungsperspektiven erörtert werden. So wurden in jüngster Zeit Konferenzen über die Stellung der Frau in Konflikten und Krisengebieten abgehalten. Die Konferenz über Menschenhandel, trägt dem zunehmenden Bedürfnis von österreichischer und internationaler Seite Rechnung, dem Menschenhandel in Europa und weltweit den Kampf anzusagen.
Österreich hat neue und weit reichende Möglichkeiten gewonnen, seine Stellung in der Welt zu festigen. Die aktive Bereitschaft zu Friedenssicherung und zur Bekämpfung globaler Fehlentwicklungen ist für die österreichische Außenpolitik im Rahmen der Union und auf internationalem Feld prioritär. Aktivitäten, die von österreichischer Seite getroffen werden, betreffen insbesondere die Verhandlungsdiplomatie, das Krisemanagement, die Stabilitätspolitik sowie die Katastrophenhilfe und den Wiederaufbau.
Dem internationalen Trend einer klimasensiblen Energiepolitik wird auch Österreich gerecht. Österreich ist um eine nachhaltige innerstaatliche Umwelt- und Energiepolitik bemüht. So übernahm Österreich neben seinen strengen innerstaatlichen Auflagen zusätzliche Maßnahmen zur Landschaftspflege, welche im Rahmen der Europäischen Union beschlossen wurden. Dem Nein zur Atomkraft, welches anlässlich der bevorstehenden Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf, von der österreichischen Bevölkerung leidenschaftlich vertreten wurde, ist Österreich bisher treu geblieben. Demgegenüber sind die nuklearen Anlagen in den Nachbarländern für Österreichs Sicherheitsinteressen von besonderer Bedeutung.
Auch unter geänderten Bedingungen kann Österreich seine langjährige Tradition fortsetzen, zur Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit beizutragen.
