Das soziale Netz
In Österreich existiert ein umfangreiches System sozialer Sicherheit und sozialer Fürsorge. Das Netz liegt auf zwei Ebenen. Zum einen ist es das Versicherungsprinzip, nach dem sämtliche Erwerbstätige und weit gehend deren Angehörige bei Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Karenz, Pension sozial abgesichert sind. Zum anderen sind es öffentliche Fürsorgeleistungen des Bundes, der Länder und Gemeinden für bedürftige Bürger, deren Existenz nicht über das Versicherungssystem gesichert ist.
Die Sozialschutzsysteme in Österreich können in folgende Bereiche aufgegliedert werden:
- Sozialversicherung: Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung
- Universelle Systeme: Vor allem Familienbeihilfen, Pflegevorsorge
- Bedarfsorientierte Leistungen: Vor allem Mindestsicherung in der Pensionsversicherung und Sozialhilfe
- Sondersysteme: Vor allem für Kriegsopfer
- Private und halbprivate Formen der sozialen Sicherung: private und nichtobligatorische Zusatzversicherungen
- Arbeitsrechtliche Ansprüche und Arbeitnehmerschutz: u. a. Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
Finanziert wird das Versicherungssystem über Sozialabgaben. Dazu zählen Beiträge zur Pensions-, Kranken- und Unfallversicherung, zur Arbeitslosenversicherung, der Zuschlag zur Insolvenzentgeltsicherung, der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) und der Wohnbauförderungsbeitrag. Diese Beiträge werden vom Arbeitgeber und von den Bezügen des Arbeitnehmers anteilsmäßig bezahlt.
Gesundheitswesen
Österreich ist flächendeckend mit niedergelassenen Ärzten, Fachärzten, Ambulatorien und Spitälern versorgt. Das Prinzip der Pflichtversicherung plus Mitversicherung von Kindern und nichterwerbstätigen Ehepartnern stellt sicher, dass so ziemlich die gesamte Bevölkerung entsprechenden Versicherungsschutz genießt. Darüber hinaus gibt es private Krankenversicherungen, die zusätzliche Leistungen (Wahlarzt, kleinere Zimmer im Spital usw.) bieten. Kosten für Unbemittelte werden von der Allgemeinheit getragen. Dazu kommen soziale Dienste, teils staatlich, teils privat oder auch kirchlich, deren Mitarbeiter sich um Alkohol- oder Drogenabhängige, um Behinderte und allein stehende alte Menschen kümmern. Für medizinische Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen ist lückenlos vor allem in den Schulen gesorgt. Der Mutter-Kind-Pass beinhaltet starke Anreize für die Eltern, ihre Kleinkinder regelmäßig untersuchen und nach dem ärztlich vorgegebenen Zeitplan impfen zu lassen. Nach Meinung von Experten ist in der Bevölkerung ein allgemeines Eigenvorsorge-Denken vorhanden, weshalbimmer mehr Österreicher den von den Krankenkassen bezahlten medizinischen Check-up in Anspruch nehmen.
