Bildungswesen
Die "Allgemeine Schulordnung" Maria Theresias (1774) bildet den Grundstein des österreichischen Schulwesens. Bereits im 19. Jahrhundert waren die drei Bereiche des Bildungswesens, die allgemein bildenden Schulen (etwa Gymnasien), die berufsbildenden Schulen und die Lehrerausbildung gut entwickelt. 1869 wurde die achtjährige Schulpflicht eingeführt.
Heute besteht in Österreich eine neunjährige Schulpflicht. Auf die vierjährige Volksschule (6. bis 10. Lebensjahr) bauen die Hauptschule und die Unterstufe der allgemein bildenden höheren Schulen auf. Ein einjähriger "Polytechnischer Lehrgang" bereitet jene 14-Jährigen, die keine weiterführende Schule besuchen, auf den Übertritt ins Berufsleben vor. Für Lehrlinge ist der Besuch von Berufsschulen verpflichtend.
Die obere Sekundarstufe (14. bis 18./19. Lebensjahr) umfasst neben allgemein bildenden höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Wirtschaftskundliche Realgymnasien) ein differenziertes System berufsbildender mittlerer und höherer Schulen. Die Abschlussprüfung an einer allgemein bildenden oder berufsbildenden höheren Schule berechtigt zum Universitäts- bzw. Hochschulstudium.
Das Österreichische Schulwesen ist bundeseinheitlich geregelt. Der Besuch öffentlicher Schulen ist unentgeltlich. Die gegenwärtige Schulpolitik strebt eine Verstärkung der Autonomie der Schule in Richtung selbständiges Handeln an. Dies bedeutet eine Erhöhung der Kompetenzen der Gremien von Lehrern, Schülern und Eltern in allen Schultypen. Seit dem Wintersemester 1994/95 gibt es in Österreich Fachhochschul-Studienlehrgänge, die mit einem akademischen Grad abschließen.
Bei der Erarbeitung bildungspolitischer Grundsätze nimmt die Unterrichtsverwaltung Bedacht auf große Trends wie Entwicklung der Bevölkerung oder gesellschaftspolitische Änderungen hier wie etwa die Zunahme eines Individualisierungsprozesses. Die Kulturtechniken haben inzwischen insofern eine Erweiterung erfahren, als Kinder bereits von klein auf mit neuen Medien umzugehen lernen müssen. Die Medienerziehung und der Umgang mit Computer und Internet gehören zu den wesentlichen Erweiterungen des Schulangebotes.
Eine Reihe von Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht wird in Wien fremdsprachig geführt. Hiezu zählen unter anderem das "Lycée Francais de Vienne", die "Vienna International School" und die "American International School". Außerdem gibt es in Wien noch eine Reihe fremdsprachiger Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht, wie die japanische, die arabische und eine schwedische Schule.
Im Ausland unterhält Österreich derzeit Schulen in Istanbul, Guatemala City, Budapest und Prag. Darüber hinaus bestehen bilinguale Schulen in Ungarn, Tschechien und der Slowakei.
Österreich unterstützt die EU-weiten Programme zur Förderung der allgemeinen und beruflichen Bildung. Das erklärte Ziel zur Schaffung einer wettbewerbsorientierten Wissensgesellschaft erfordert eine zügige und kohärente Intensivierung der Bemühungen in den Bereichen der Schulbildung (Comenius), der Hochschulbildung (Leonardo da Vinci) sowie der Erwachsenenbildung (Grundtvig). Ebenso beteiligt sich Österreich an Programmen, die der Förderung des EU-Integrationsgedanken dienen (Jean Monnet). Im Sinne des interkulturellen und europäischen Gedankens soll es zu einem Ausbau der europäischen Sprachkompetenz kommen, weshalb Österreich die Sprachausbildung unter Schülern, Studenten und Erwachsenen intensiviert. Dies entspricht insbesondere einem der Zielsetzungen der Europäischen Union im Jahr des interkulturellen Dialogs 2008.

