Netzwerk Menschliche Sicherheit
Das Konzept der menschlichen Sicherheit wurde erstmals 1994 vom Entwicklungsprogramm der UN (UNDP) vorgestellt. Es bedeutet nicht bloß die Abwesenheit von Krieg und Gewalt in einem Land, sondern einen viel umfassenderen Sicherheitsbegriff, der die Grundbedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt stellt: dazu gehören v.a. Sicherheit vor Gewalt, aber auch ausreichend Nahrung, Unterkunft und Gesundheitsversorgung. Menschliche Sicherheit soll zu Frieden und Wohlstand in der Welt beitragen. Das Konzept der menschlichen Sicherheit kommt besonders in Konflikt- und Kriegssituationen, aber auch nach der Beendigung von Konflikten zum Tragen, wo Zivilisten meist zu den Schwächsten und Gefährdetsten gehören. Daher sind das internationale Menschenrechtssystem, das humanitäre Völkerrecht und das Flüchtlingsrecht wesentliche Fundamente der menschlichen Sicherheit.
Das Netzwerk Menschliche Sicherheit (Human Security Network, HSN), eine Verbindung von Außenministern aus 12 Staaten, hat sich zum Ziel gesetzt, das Konzept der menschlichen Sicherheit als Denkansatz für jegliche nationale und internationale Politik zu fördern. Die gemeinsamen Standpunkte des HSN sollen v.a. im Rahmen der Vereinten Nationen vorangetrieben werden. Es besteht auch eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Das Netzwerk ging 1999 aus der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Österreich, Norwegen und Kanada für ein internationales Verbot von Anti-Personenminen hervor. Derzeit sind Chile, Costa Rica, Griechenland, Irland, Jordanien, Kanada, Mali, Norwegen, Österreich, Schweiz, Slowenien, Thailand Mitglieder des Netzwerks, Südafrika nimmt als Beobachter teil. Seit Mai 2007 hat Griechenland den Vorsitz des Netzwerks.
Das Netzwerk engagiert sich für eine Verbesserung der Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft im UN-Menschenrechtsrat. Gemeinsam mit Japan und den Freunden der menschlichen Sicherheit engagiert sich das Netzwerk um die Umsetzung des Konzepts der menschlichen Sicherheit, das erstmalig im September 2005 in das Abschlussdokument des Gipfeltreffens der UN-Generalversammlung aufgenommen wurde.
Zu den Schwerpunktthemen des HSN zählen neben der Förderung des Beitritts von Staaten zur Anti-Personenminen-Konvention und zum Internationalen Strafgerichtshof, die Kontrolle von Klein- und Leichtwaffen, die Förderung von Frauen, Frieden und Sicherheit, der Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten, Fragen des humanitären Völkerrechts, sowie der Dialog der Zivilisationen.
Österreich war 2002/2003 Vorsitzland des Netzwerks. Ein Hauptaugenmerk galt dem Themenbereich Menschenrechtsbildung als grundlegende Voraussetzung für die menschliche Sicherheit. Dazu hat das ETC Graz im Auftrag des BMeiA das Handbuch zur Menschenrechtsbildung "Menschenrechte verstehen" erarbeitet, welches mittlerweile in 15 Sprachen vorliegt und im Rahmen diverser Projekte, die teilweise vom BMeiA und der Österreichischen Entwicklungsagentur (ADA) unterstützt werden, zum Einsatz kommt. Ein weiterer Schwerpunkt des österreichischen Vorsitzes war der Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten. Hier wurde ein Strategiepapier zur Stärkung der Rechte von Kindern in bewaffneten Konflikten ausgearbeitet, sowie ein Lehrplan für Kinderrechtstrainings entwickelt, das bei der Vorbereitung von Militärs für Auslandseinsätze im Rahmen der EU und der UN verwendet wird. Heute gilt das Engagement des BMeiA zur Förderung der menschlichen Sicherheit v.a. der Weiterentwicklung und verbesserten Umsetzung des internationalen Menschenrechtssystems und des humanitären Völkerrechts; Kinder in bewaffneten Konflikten; sowie dem Kampf gegen Antipersonenminen und der Schaffung eines internationalen Übereinkommens gegen Streumunition.
Im März 2008 organisierte Griechenland in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Außenministerium eine Veranstaltung in Wien zum Thema Auswirkungen des Klimawandels auf Frauen als Vorbereitung auf das HSN Ministertreffen. Das Ministertreffen des Netzwerks im Mai 2008 in Athen widmete sich dem Thema Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Sicherheit. Dabei konzentrierte sich der griechische Vorsitz insbesondere auf Frauen, Kinder und Klimaflüchtlinge.
Der laufende irische Vorsitz konzentriert sich auf das Thema geschlechtsspezifische Gewalt.
