Wien als Amtssitz internationaler Organisationen und Institutionen
Wien ist einer der bedeutendsten Amtssitze internationaler Organisationen. Es ist neben New York und Genf auch dritter Hauptsitz des Sekretariates der Vereinten Nationen (VN). Die Internationalen Organisationen beschäftigen über 5.000 Mitarbeiter aus aller Welt. Über ein Viertel davon, also ca. 1.500 Bedienstete der Organisationen, sind Österreicher.Die Tendenz sowohl hinsichtlich der Ausgaben internationaler Organisationen wie auch hinsichtlich der Beschäftigtenzahlen ist langfristig kontinuierlich steigend. Ausgaben internationaler Organisationen in Österreich beturgen 2007 € 628 Mio. (vgl. € 570 Mio. (2006), ca. € 590 Mio. (2005) und € 476 Mio (2003)); Die Anzahl der Beschäftigten betrug 2007: 5.293 (vgl 5.214 (2006), 5.079 (2005) und 4.941 (2003)). Der Amtssitz Wien stellt somit auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. (Stand 2007).
Die mit 2.325 Bediensteten größte und erste in Wien ansässige bedeutende Organisation ist die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO, Generaldirektor Mohamed ElBaradei), deren Schwerpunkt sich in den letzten Jahren von der Förderung der Atomenergie zunehmend auf nukleare Sicherheit und die Verhinderung der missbräuchlichen Verwendung spaltbaren Materials verlagert hat.
Im Zuge der Reformen der Vereinten Nationen wurde Wien 1997 zum Zentrum aller VN-Bemühungen im Kampf gegen Verbrechen, Drogenmissbrauch und Terrorismus ausgebaut. Dadurch erfolgte die Einrichtung des Büros zur Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung (ODCCP/Office for Drug Control and Crime Prevention), das im Herbst 2002 in ODC/Office on Drugs and Crime umbenannt wurde und seit 2002 unter der Leitung von Antonio Maria Costa als Exekutivdirektor steht, welcher gleichzeitig auch Untergeneralsekretär und Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Wien (UNOV/United Nations Office at Vienna) ist. Das ODC besteht aus dem VN-Programm zur internationalen Drogenkontrolle (UNDCP/United Nations International Drug Control Programme) sowie dem Zentrum für Verbrechensverhütung (CICP/Centre for International Crime Prevention).
Die Sekretariatseinheit UNOV sorgt für die administrative Unterstützung der verschiedenen Gremien und Einrichtungen der VN, für Konferenzplanung und Dolmetscherdienste der alljährlich mehr als 2000 Konferenzen und Sitzungen sowie für den Sicherheitsdienst im Internationalen Zentrum Wien (VIC/Vienna International Centre). UNOV umfasst auch das Büro für Weltraumangelegenheiten (OOSA/Office for Outer Space Affairs), die Hauptabteilung für Verwaltung und Gemeinsame Dienste (DACS/Division of Administrative and Common Services) mit der VN Postverwaltungsstelle für Europa (UNPA/United Nations Postal Administration) sowie den VN Informationsdienst (UNIS/United Nations Information Service). Weitere Sekretariatseinheiten, die allerdings an andere Sekretariatsstellen berichten, sind die Abteilung für Internationales Handelsrecht (UNCITRAL/United Nations Commission on International Trade Law) sowie das Sekretariat des Wissenschaftlichen Ausschusses der VN zur Untersuchung der Auswirkungen radioaktiver Strahlen (UNSCEAR/United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation). Aus der VN-Familie sind u.a. noch eine Zweigstelle des VN Büros für Projektdienste (UNOPS/United Nations Office for Project Services) und das Regionalbüro des Flüchtlingshochkommissars (UNHCR/United Nations High Commissioner for Refugees) im Vienna International Centre (VIC) untergebracht. Auch das Sekretariat der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau ist dort angesiedelt.
Eine weitere in Wien ansässige internationale Organisation ist die seit 1966 bestehende und in den letzten Jahren durch einen Reformplan schlanker gewordene Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung (UNIDO) unter Leitung von Dr. Kandeh K. Yumkella. Als einzige Organisation im VN-System unterstützt sie durch technische Hilfe, Beratung und Vermittlung sowie Forschungs- und Studienprogramme die möglichst Umwelt schonende Industrialisierung in den Ländern der Dritten Welt und in den Reformstaaten Mittel- und Osteuropas einerseits sowie die industrielle Zusammenarbeit zwischen Entwicklungs- und Industrieländern andererseits.
Seit 1997 ist die Vorbereitende Kommission der Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Atomtests (CTBTO/Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization) mit ihrem Provisorischen Technischen Sekretariat unter Leitung von Exekutivsekretär Tibor Tóth in Wien tätig, der ein hochtechnisiertes internationales Datenzentrum angeschlossen ist. Im selben Jahr hat in Wien auch das Sekretariat des Wassenaar-Arrangements, weltweiter Nachfolger des COCOM, eine Einrichtung zur Kontrolle von konventionellen Waffen sowie von doppelverwendungsfähigen Gütern und Technologien, seine Tätigkeit aufgenommen. Die bisher erwähnten Organisationen mit Ausnahme des Wassenaar-Arrangements sind alle im 1979 eröffneten Internationalen Zentrum Wien (VIC) untergebracht, das den internationalen Organisationen von Österreich gegen eine symbolische Miete zur Verfügung gestellt wurde.
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist aus der 1975 mit der Schlussakte von Helsinki zu Ende gegangenen Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hervorgegangen. Die Schlussakte von Helsinki (1975), die Charta von Paris (1990) und die Europäische Sicherheitscharta von Istanbul 1999 sind die bedeutendsten Dokumente der OSZE, in denen ein beständig gewachsenes und weiterentwickeltes System politischer Verpflichtungen - auf der Grundlage eines umfassenden und kooperativen Sicherheitsbegriffs - niedergelegt ist. Die OSZE zeichnet sich durch eine umfassende Mitgliedschaft (56 Teilnehmerstaaten) aus, die neben allen europäischen Ländern auch die USA, Kanada und die zentralasiatischen Staaten umfasst. Das Beiwort "kooperativ" bedeutet den grundsätzlichen Ausschluss von jeglichen Zwangsmaßnahmen. Im Krisen- und Konfliktfall muss die Zustimmung des bzw. der betroffenen Staates/n gesucht werden.
Die OSZE hat sich im letzten Jahrzehnt zu einem bedeutenden Instrument der Frühwarnung, Konfliktverhütung, des zivilen Krisenmanagements und der Konfliktnachsorge entwickelt (u.a. Grenzbeobachtungsmissionen, Organisation von Wahlen, Polizeitraining). Sie bildet weiters ein wichtiges Forum für Rüstungskontrolle und Abrüstung im konventionellen Bereich. Die OSZE widmet den transnationalen Bedrohungen (wie etwa Terrorismus, Drogen-, und Menschenhandel, Gefahren für die Informationstechnologie und Verbreitung von Massenvernichtungswaffen) verstärkte Aufmerksamkeit.
Regionen, in denen die OSZE Feldmissionen unterhält:
Osteuropa
Westbalkan
Zentralasien
In der OSZE übernimmt jeweils ein Teilnehmerstaat für ein Jahr den Vorsitz. Ihm kommt eine wichtige Rolle in der Steuerung der Arbeit sowie der Vertretung der Organisation nach außen zu. Der/Die Außenminister/in des Vorsitzlandes fungiert dabei als "Chairman in Office" (amtierender Vorsitzender). Die Tatsache, dass in der OSZE die Entscheidungen im Konsens der 56 Teilnehmerstaaten gefasst werden, macht den Vorsitz zu einer besonderen diplomatischen Herausforderung. 2011 hat Litauen den Vorsitz inne. Österreich übte den Vorsitz zuletzt im Jahre 2000 aus.
Das in Wien unter der Leitung eines Generalsekretärs (seit 2011 Lamberto Zannier) angesiedelte Sekretariat bildet das technisch-organisatorische Rückgrat der Organisation und unterstützt den jeweiligen Vorsitz in seinen Aktivitäten.
Daneben verfügt die OSZE über eine Reihe von Instrumentarien zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Das Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR, Sitz in Warschau), das seit 2008 von dem slowenischen Diplomaten Janez Lenarcic geleitet wird, fördert demokratische Wahlprozesse, insbesondere durch Wahlbeobachtung, und gibt praktische Unterstützung zur Stärkung demokratisch-rechtstaatlicher Institutionen und zivilgesellschaftlicher Strukturen. Der Norweger Knut Vollebaeck als derzeitiger Hoher Kommissar für Nationale Minderheiten mit Sitz in Den Haag bemüht sich, ethnisch motivierte Konfliktpotentiale in einem frühen Stadium zu entschärfen. Die seit dem Frühjahr 2010 mit Dunja Mijatovic (Bosnien und Herzegowina) besetzte Funktion einer OSZE-Beauftragten für Medienfreiheit (Sitz in Wien) dient der Überwachung dieses wichtigen Grundrechtes.
Ein zentrales Instrument zur Konfliktverhütung, zum zivilen Krisenmanagement und zur Friedenskonsolidierung stellen die "Langzeitmissionen" dar. Die OSZE unterhält dzt. 17Feldpräsenzen mit insgesamt etwa 2200Mitarbeitern in diesen Feldoperationen, davon etwa zwei Drittel lokale und ein Drittel internationale Mitarbeiter am Balkan und in den GUS-Staaten (u.a. Südkaukasus, Zentralasien). Der Amtierende Vorsitzende kann auch persönliche Vertreter bestellen, die in akuten Krisenfällen ihr politisches Gewicht in die Konfliktbewältigung einbringen.
Der Großteil der in den OSZE Feldmissionen tätigen internationalen Experten wird von Teilnehmerstaaten an die OSZE sekundiert. Informationen zu den aktuellen Stellenausschreibungen in OSZE Feldmissionen sowie Hinweise zum Bewerbungsmodus finden Sie online.
Seit 1965 hat auch die 1960 in Bagdad gegründete OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) ihren Sitz in Wien. Diese zwischenstaatliche Organisation zur Koordination der Erdölpolitik ihrer Mitgliedstaaten hat die Aufgabe, faire und stabile Preise für Erdölproduzenten zu erreichen und verlässliche und wirtschaftliche Lieferungen für Konsumentennationen zu sichern. Sie besteht aus der Konferenz der Erdölminister, dem Gouverneursrat und einem Sekretariat unter einem von der Konferenz bestellten Generalsekretär (S.E. Abdalla Salem El-Badri). Der ebenfalls in Wien untergebrachte OFID (OPEC-Fund for International Development) wurde 1980 von den OPEC-Mitgliedstaaten gegründet, um aus deren Öleinnahmen einen Beitrag zur Entwicklung der Dritten Welt an Regierungen der nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsstaaten und an internationale Entwicklungsagenturen in Form von Darlehen und Zuschüssen zu leisten (Generaldirektor Suleiman Jasir Al-Herbish).
Die 1997 gegründete Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC), die 1998 ihren Sitz in Wien errichtete, wurde im März 2007 infolge der Council Regulation Nr 168/2007 vom Februar 2007 in die Europäische Grundrechteagentur (European Fundamental Rights Agency EFRA) umgewandelt. Direktor der FRA ist der Däne Morten Kjaerum, der seinen Posten am 1. Juni 2008 antrat. Ihre Hauptaufgabe ist es, der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten objektive und vergleichbare Informationen über rassistische, fremdenfeindliche und antisemitische Phänomene auf europäischer Ebene bereitzustellen. Die Aufgaben, die allgemein mit der Bereitstellung von Daten zusammenhängen, wurden durch die Errichtung des "Europäischen Informationsnetzes über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" (RAXEN) unterstützt.
Mit der Ansiedlung der unmittelbaren zentralen Kontaktstelle für den Haager Verhaltenskodex gegen die Weiterverbreitung von ballistischen Raketen (The Hague Code of Conduct against the Proliferation of Ballistic Missiles - HCOC) im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten konnte im Jahr 2002 ein weiterer Schritt zur Stärkung des Amtssitzes Wien gesetzt werden.
Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat im Dezember 2002 beschlossen, das neu gegründete Europäische Institut für Weltraumpolitik (ESPI) in Wien anzusiedeln.
Neben den internationalen Organisationen gibt es in Wien auch eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen (NGOs/Non-Governmental Organizations) sowie einige Einrichtungen, die einen Status sui generis haben, wie zum Beispiel das Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA), das Wiener Institut für Entwicklung und Zusammenarbeit und das Internationale Presse Institut.
Das 2006 gegründete Sekretariat der Energiegemeinschaft ist die jüngste internationale Organisation mit Sitz in Wien. Die Vertragsparteien der Energiegemeinschaft sind auf der einen Seite die Europäische Union, und auf der andren Seite die sieben Vertragsstaaten Albanien, Bosnien & Herzegovina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und die Interimsverwaltung der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK). Das Ziel liegt primär darin, den EU Binnenmarkt im Energiesektor auf Süd-Ost-Europa auszuweiten. Die Energiegemeinschaft strebt somit an, stabile und einheitliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Energiemarktes, die Investitionen fördernd wirken, zu schaffen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen, die Umweltsituation zu verbessern, sowie den Wettbewerb anzuregen.
Weitere Informationen
Video: The Practice of Dialogue
Broschüre: The Practice of Dialogue
