Moldau
Die Republik Moldau verfolgte in den letzten Jahren einen zunehmend pro-europäischen Kurs und suchte Annäherung an die euro-atlantischen Strukturen.
Wichtige Schritte in den EU-Moldau-Beziehungen der letzten Jahre waren unter anderem das Inkrafttreten des Visaerleichterungs- und Rückübernahmeabkommens am 1.1.2008, die Gewährung autonomer Handelspräferenzen seitens der EU mit 1.3.2008, aber auch die Eröffnung der Gemeinsamen Visaantragstelle in Chisinau im April 2007, die auf eine ungarisch-österreichische Initiative zurückgeht und mittlerweile mehrere EU-Mitgliedsstaaten als Teilnehmer umfasst. Dies stellt für die lokale Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zur Erleichterung der Menschen-zu-Menschen-Kontakte dar. Im Jänner 2010 haben die EU und Moldau Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen aufgenommen. Das Assoziationsabkommen soll Grundlage für eine intensivierte Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen (z.B. Wirtschaft, Forschung, Bildung) sein. Die Schaffung einer vertieften und umfassenden Freihandelszone (deep and comprehensive free trade area = DCFTA) wird ebenfalls Teil des Assoziationsabkommens sein. Die Verhandlungen zum DCFTA haben im Februar 2012 begonnen. Ein weiteres wichtiges Projekt der Zusammenarbeit ist die Umsetzung eines Visa-Aktionsplans, der die für eine schrittweise Visaliberalisierung notwendigen Maßnahmen festlegt.
Die Parlamentswahlen vom Juli 2009 führten zu einer Umkehr der seit 2001 bestehenden Mehrheitsverhältnisse: Die Kommunistische Partei verlor ihre absolute Mandatsmehrheit, vier Mitte-Rechts-Parteien („Allianz der Europäischen Integration“, AEI) bildeten im September 2009 eine betont Europa-orientierte Regierung. Die AEI-Koalition war allerdings aufgrund des Kräfteverhältnisses im Parlament zunächst nicht in der Lage eine(n) neue(n) PräsidentIn zu wählen, weshalb im November 2010 Parlamentsneuwahlen stattfanden. Das Kräfteverhältnis verschob sich zwar zugunsten der AEI-Koalition, doch fehlten immer noch zwei Mandate für die notwendige 3/5-Mehrheit. In der Folge scheiterten noch weitere Präsidentschaftswahlversuche . Im März 2012 einigten sich die Regierungsparteien schließlich und wählten Nicolae Timofti zum neuen Staatspräsidenten. Die Lage in der Republik Moldau wird weiterhin durch den seit Erlangung der Unabhängigkeit bestehenden Konflikt mit der separatistischen Region Transnistrien bestimmt. Die Europäische Union ist verstärkt in die Bemühungen, eine Lösung für diesen Konflikt zu finden, eingebunden. Die Teilnahme der EU als Beobachter an den sogenannten 5+2 Gesprächen ist Ausdruck dieses verstärkten europäischen Engagements (5+2 bezieht sich auf das Format: Moldau und Transnistrien als Parteien, Russland, die Ukraine und OSZE als „Fazilitatoren“; dazu EU und USA als Beobachter). Die EU richtete darüber hinaus - einem Ersuchen der Ukraine und Moldaus entsprechend - am 1.12.2005 eine "Border Assistance Mission (EUBAM)" ein. Damit soll die moldauisch-ukrainische Grenze, insbesondere an deren transnistrischem Abschnitt, besser überwacht werden. Diese Mission wurde mittlerweile bis November 2015 verlängert. Ein wesentliches Element ist das Training der örtlichen Grenzüberwachungsbehörden. Ferner unterstützt die EU die Durchführung von vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen den durch den Nistru (Dnjestr) getrennten Landesteilen.
Die Republik Moldau ist ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungshilfe. Ein diesbezügliches Kooperationsabkommen wurde im Herbst 2008 unterzeichnet. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Wasser- und Abwasserversorgung sowie der Berufsausbildung. Sehr umfangreich ist auch das humanitäre Engagement privater Organisationen aus Österreich.
