Schwarzmeerregion
Ziel des Schwarzmeerfokus der österreichischen Außenpolitik ist es, das große Potenzial der Schwarzmeerregion für Österreich stärker zu nützen. Die Länder der Schwarzmeerregion gewinnen immer mehr an Bedeutung: wegen der geographischen Nähe, der dynamischen Entwicklung des Absatz- und Arbeitskräftepotenzials sowie wegen den Energie-Ressourcen. In diesem Raum werden die Weichen für die künftige energiepolitische Absicherung Europas gestellt. Stichworte sind Diversifizierung, Interkonnektivität sowie Versorgungssicherheit. Es geht vor allem um das Diversifizierungsgroßprojekt Nabucco Gaspipeline (über Türkei, Bulgarien, Rumänien), aber auch alternative bzw. konkurrierende Projekte (zB. South-Stream).
Mit der Eröffnung einer österreichischen Botschaft in Baku (Aserbaidschan) durch Bundesminister Dr. Michael Spindelegger am 23. Juni 2010 konnte Österreich seine Präsenz in der Region weiter ausbauen.
Mit dem Schwarzmeerschwerpunkt will die österreichische Außenpolitik auch Türöffner für österreichische Unternehmen sein, die sich in diesem Absatzmarkt von 140 Mio. Einwohnern mit steigender Nachfrage engagieren wollen. Das österreichische Exportvolumen in die sechs Staaten (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldau, Türkei, Ukraine) soll von 2,1 Mrd € (2008) in den kommenden Jahren auf 4 Mrd. € verdoppelt werden. Bei den Direktinvestitionen wird eine Steigerung von 6,3 Mrd € (2007) auf 13 Mrd € angestrebt.
Allerdings ist die Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer an der Schnittstelle zwischen Europa, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Zentralasien auch durch offene und eingefrorene Konflikte geprägt. Daher möchte die österreichische Außenpolitik - auch im Rahmen der EU - zur politischen Stabilität als Grundlage und Absicherung österreichischer Wirtschaftsinteressen beitragen.
Österreich möchte sich aktiv einbringen, wenn die EU ihre Politik gegenüber der Schwarzmeerregion definiert. Dies betrifft die Östliche Partnerschaft, die Europäische Nachbarschaftspolitik oder die 2007 lancierte Schwarzmeersynergie. Österreich ist daher an einer Teilnahme an den im Rahmen des Europäischen Nachbarschafts- und Partnerschaftsinstruments (ENPI) laufenden Programmen sehr interessiert. In diesem Zusammenhang haben sich EU finanzierte Verwaltungspartnerschaften (Twinning) als ein erfolgreiches Kooperationsinstrument erwiesen, um bilaterale Beziehungen auf institutioneller Ebene zu verbessern und durch die Einrichtung von modernen Verwaltungsstrukturen in den Partnerländern eine erhöhte Rechtssicherheit zu schaffen. In der Schwarzmeerregion werden zurzeit unter Mitwirkung österreichischer Experten Projekte in der Türkei, Ukraine, Georgien, Aserbaidschan und Moldau umgesetzt.
Durch die EU Neighbourhood Investment Facility werden Infrastrukturvorhaben auch in der Schwarzmeerregion mitfinanziert. Österreich unterstützt durch einen eigenen nationalen Beitrag diese EU Initiative.
Im Einklang mit Programmen der Europäischen Union wie der Kulturagenda, der Schwarzmeersynergie, der Östlichen Partnerschaft und der Donauraum-Strategie entwickelt Österreich seinen spezifischen Schwarzmeerschwerpunkt. Die Kulturpolitik will zu einer weiteren umfassenden Stabilisierung der Region im Sinne von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand beitragen. Die sozioökonomische und menschliche Entwicklung, die Förderung von Wissen und Innovation, die Nutzung des Humankapitals, die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Verfestigung einer “guten Regierungsführung“ sind die Leitprinzipien. Kulturelle Zusammenarbeit, Kulturdialog, die Intensivierung der Kontakte von Wissenschaftern und Forschern, von Künstlern und Studenten vertiefen die Wertschätzung und das Verständnis füreinander, sie helfen allfällige Spannungen und Vorurteile zu überwinden. Tagungen, Festivals, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Stipendien erlauben es, im besten Sinne Politik mit Mitteln der Kultur zu betreiben, indem die vielfältige schöpferische Kraft der Region genutzt wird.
FLOW, ein Festival junger Künstler/Innen und Wissenschaftler/Innen aus zehn Ländern fand zum ersten Mal 2008 im serbischen Novi Sad statt. Im September 2010 war „Brüchige Offenheit – die Bandbreiten der Freiheit in der Donauregion“ Motto des Festivals im moldauischen Chisinau und Impulsgeber für weitere kreative Vorhaben. 2012 fand das Festival in der bulgarischen Stadt Ruse unter dem Motto „Activating Spaces, Activating People by Micro-Imagination“ statt. Im Jahr 2013 werden insgesamt fünf Kunstprojekte, die während des Festivals in Ruse entwickelt wurden, in verschiedenen Ländern des Donauraums stattfinden.
www.flow-festival.info.
Die Schreibwerkstatt SCHWARZES MEER ist ein Atelierprogramm für Autoren aus dem Schwarzmeerraum, das seit 2010 stattfindet. Es wird gemeinsam mit dem Quartier 21 im Museumsquartier durchgeführt. Zu den Gästen des Ateliers zählten bisher Dumitru Crudu (Moldau), Yevgenia Byelorusets (Ukraine), Rouzan Margouni (Armenien), Tymofiy Havryliv (Ukraine), Florin Lazarescu (Rumänien), Yevgenia Byelorusets (Ukraine), Oleg Slyvynsky (Ukraine), Filip Florian (Rumänien), Vladimir Sabourin (Bulgarien), Dianna Hambardzoumyan (Armenien), Dan Lungu (Rumänien), Sema Kaygusuz (Türkei), Ayfer Tunc (Türkei), Anna Kordsaia-Samadaschwili (Georgien), Radu Pavel Gheo (Rumänien), Catalin Mihuleac (Rumänien), Tamta Melashvili (Georgien). 2013 folgen Vladimir Lorcencov (Moldau), Marine Petrossian (Armenien), Robert Serban (Rumänien), Emrah Altinok (Türkei), Oksana Zabuzhko (Ukraine) u.a.
BLACK SEA CALLING ermöglichte den österreichischen Künstlern Michael Aschauer, Christoph Schwarz, Katharina Lackner, Gabriele Edlbauer, Catrin Bolt, Karl Karner & Linda Samaraweerova, Markus Hahn, Paran Pour und Michael Hieslmair Arbeitsaufenthalte in der Türkei, Bulgarien, der Ukraine, Russland, Armenien, Aserbaischan, Rumänien, Georgien und der Republik Moldau. Aus Russland wurde Vasili Subbotin, aus Georgien Konstantine Kitiashvili, aus der Türkei Ilgen Arzik, aus Bulgarien Veronika Tzekova, aus der Republik Moldau Alexandru Raevschi, aus Armenien Mher Azatyan, aus Aserbaidschan Yeşim Ağaoğlu, aus der Ukraine Gamlet Zinkivsky und aus Rumänien Dan Acostioaei nach Österreich eingeladen. 2013 folgt eine Gruppenausstellung aller Künstler in Wien.
www.blackseacalling.eu
GOOD GOVERNANCE IN THE BLACK SEA REGION war Thema von Seminaren internationaler Politikwissenschaftler/Innen zu Dialog, Konfliktprävention, Konfliktmanagement, guter Regierungsführung und Zivilgesellschaft, die 2011 in Odessa und 2012 in Tbilisi stattfanden. 2013 findet die Veranstaltung in Istanbul statt.
TRADUKI ist ein Programm zu Förderung von Übersetzungen von Literatur der Länder Ost- und Südosteuropas. Des Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, KulturKontakt Austria, Pro Helvetia, das deutschen Auswärtigen Amt, das Goethe‐Institut , die S. Fischer‐Stiftung, die Slowenische Buchagentur, das kroatische Kulturministerium und die Regierung des Fürstentums Liechtenstein stiften gemeinsam ein Budget für Übersetzungen aus den ost- und südosteuropäischen Sprachen ins Deutsche und umgekehrt, bzw. zwischen den Sprachen der betreffenden Region.
www.traduki.eu
Von den 61, vor allem in Mittel‐, Ost‐ und Südosteuropa bestehenden Österreich‐Bibliotheken, die als unverzichtbare Informationszentren ein umfassendes Bild Österreichs in seiner Vielfalt bieten, sind allein vier, in Iasi, Baku, Samsun und Jerewan, im Jahr 2010 im Umkreis des Schwarzen Meeres neu geschaffen worden, um damit die österreichische Präsenz in Moldawien, Aserbeidschan, dem Norden der Türkei und in Armenien zu verstärken.
Die Fotoausstellung „Culture Matters. UNESCO World Heritage Sites in the South East of Europe”zeigt Aufnahmen von insgesamt 18 UNESCO-Weltkulturerbestätten in Südosteuropa (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien, Kosovo, Kroatien, Montenegro und Serbien).
Ziel des Projektes des österreichischen Außenministeriums ist es, die Kulturen dieser Regionstärker ins europäische Bewusstsein zu rufen ,sowie ihre kulturelle Zusammenarbeit zu fördern und dadurch einen Beitrag zur Integration aller Länder Südosteuropas in die EU zu leisten. Seit 2008 wurde die Ausstellung unter anderem in Prag, Tallinn, Riga, Bratislava, Bukarest, Athen, Skopje, Belgrad, Warschau, Bologna, Berlin, Den Haag, Dublin, London, Straßburg, Santiago de Chile, Helsinki, Budapest und Brüssel gezeigt.
Im Juni 2011 fand das WEF (World Economic Forum) -Regionalforum zu Zentralasien in Wien statt.
Am 26. September 2012 wurde in der Wiener Hofburg eine hochrangig besetzte Minister-Konferenz mit zahlreichen Regierungsvertretern aus dem Südkaukasus und Zentralasien abgehalten. Die guten wirtschaftlichen Aussichten auf diesem Markt wurden durch WIFO Studien bestätigt.
Weitere Aktivitäten im Rahmen des Schwarzmeerfokus waren die Regionalkonferenz „Energy between Danube and Caucasus“, organisiert von BMeiA, BMWFJ und WKÖ in Wien (28.-29.4.2011); Im September 2011 hat eine Konferenz von südkaukasischen Religionsvertretern in Wien stattgefunden.
