Nordamerika (USA und Kanada)
USA
Bei den Präsidentschafts-, Senats- und Kongresswahlen am 4.11.2008 sind die Demokraten als die klaren Sieger hervorgegangen. Barack Obama konnte bei einer Wahlbeteiligung von rund 66% 365 der Wahlmännerstimmen gewinnen. Die Obama-Administration setzt in der Ausgestaltung ihrer Politik verstärkt auf Diplomatie, Dialog und internationale Kooperation. Obama räumt Defizite der vergangenen US-Politik ein, will mit gutem Beispiel voran gehen und bot zahlreichen Partnern, v.a. Russland und der muslimischen Welt einen „Neuanfang“ an. Diese Bemühungen wurden mit der Verleihung des Friedensnobelpreises 2009 an Präsident Obama gewürdigt. Wirksame transatlantische Zusammenarbeit ist für die gemeinsame Bewältigung der globalen Herausforderungen sowohl für Europa als auch für die USA von grundlegender Bedeutung.
Die bilateralen Beziehungen Österreich-USA
Bereits in der Vergangenheit unternahmen Österreich und die USA in einigen wichtigen außenpolitischen Bereichen gemeinsame Bemühungen, so zum Beispiel im Kampf gegen den Terrorismus und im Bereich der Demokratisierung, und führen einen regelmäßigen Meinungsaustausch über die Balkanstaaten oder die Möglichkeiten des Dialogs mit der islamischen Welt. Außerdem arbeitet Österreich mit den USA bei der Bewältigung internationaler Konflikte zusammen. So bemüht man sich etwa auf dem Balkan, in Afghanistan oder im Nahen Osten (durch die österreichische Teilnahme an Friedenseinsätzen) gemeinsam um Stabilisierung.
Anlässlich des sechzigjährigen Marshallplanjubiläums wurde 2007 ein Memorandum of Understanding über die beabsichtige Förderung von österreichisch-amerikanischen Studentenaustauschprogrammen aus Mitteln des „European Recovery Program“ (ERP) Fonds unterzeichnet. Im Rahmen dieses Programms sollen über die beim ERP-Fonds angesiedelte Austrian Marshall Plan Foundation in den nächsten 10 Jahren bis zu 1000 Stipendien für amerikanische und österreichische Schüler, Lehrlinge und Studenten vergeben werden. Auch als Würdigung des Beitrags des damaligen US-Außenministers George C. Marshall wurde das 2007 erstmals verwirklichte österreichisch-amerikanische Besucherprogramm, in dessen Rahmen amerikanische Experten nach Österreich zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen werden, nach ihm benannt. Bisher durchgeführte George C. Marshall–Besucherprogramme waren den Schwerpunktthemen „Umwelttechnologie“ und „Automotive Techniken“ gewidmet und verliefen sehr erfolgreich.
Österreichs Wiedergutmachungsbemühungen für Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, von Zwangsarbeit sowie von Vermögensentziehungen auf dem Gebiet des heutigen Österreich wurden von der US-Administration sehr positiv aufgenommen und auch im Hinblick auf die für die Republik Österreich und die österreichischen Unternehmungen notwendige Rechtssicherheit (Abweisung aller anhängigen Sammelklagen vor US-Gerichten aus dem Titel der Zwangsarbeit und der Vermögensentziehungen) maßgeblich unterstützt.
Österreich unterhält neben der österreichischen Botschaft in Washington drei Berufskonsulate (in New York, Los Angeles und Chicago) und 28 Honorarkonsulate.
Kulturelle Beziehungen Österreich-USA
Zwischen Österreich und den USA besteht ein reger kultureller Austausch. In den großen Kulturinstitutionen der USA sind Kunst bzw. Künstler aus Österreich ständig präsent, wobei das hauptsächliche Interesse der Interpretation klassischer Musik sowie der bildenden Kunst gilt. Außerhalb der großen US-Institutionen sind die Kulturforen in New York und Washington die wichtigsten Zentren kontinuierlicher Präsentationen österreichischer Kultur, insbesondere moderner und zeitgenössischer Ausrichtung.
Österreichische Öffentlichkeitsarbeit in den USA
Österreich bemüht sich insbesondere seine Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit mit US-Medien auszubauen. Mit den von der Botschaft in Washington herausgegebenen Publikationen, der seit 60 Jahren erscheinenden "Austrian Information", welche sich heute EU-Themen widmet, und dem online-Newsletter "Jewish News from Austria" erhält das amerikanische Publikum regelmäßig Informationen über Österreich.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Das "Office of Science and Technology" (OST) an der Österreichischen Botschaft in Washington dient dem Ausbau eines Netzwerks von österreichischen WissenschafterInnen in den USA und Kanada und informiert derzeit mehr als 1000 Personen. Das Online Magazin "bridges", das über aktuelle Entwicklungen der Wissenschaftspolitik in Österreich, den USA und Kanada informiert, wird zurzeit von über 6600 Personen weltweit abonniert. Im Monat lesen rund 20.000 Personen dieses Magazin, das teilweise auch als "podcast" im Internet zur Verfügung gestellt wird.
Wirtschaftsbeziehungen Österreich-USA
Europa ist mit 750 Mrd. € größter Investor in den USA und rund 50 % aller US-Auslandsinvestitionen gehen nach Europa. Der Warenaustausch zwischen der EU und den USA beträgt rund 1 Mrd. €/Tag.
Für Österreich sind die USA nach Deutschland und Italien der drittwichtigste Handelpartner und mit Abstand der wichtigste Überseemarkt. Ca. 5,1% der österreichischen Exporte gehen in die USA. Die wichtigsten österreichischen Exportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge und Geräte.
Kanada
Kanada ist stark multilateral ausgerichtet und engagiert sich daher besonders in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, G8, NATO und OSZE. Die Beziehungen zu den USA sind der Eckstein der kanadischen Außenpolitik, jedoch zeigt Kanada zuletzt auch verstärktes Interesse am asiatischen und südamerikanischen Raum (China, Indien, Brasilien). Im institutionalisierten Dialog zwischen der EU und Kanada findet eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit statt, die Bereiche wie Krisenmanagement, internationale Sicherheit, Klimawandel und Handel umfasst.
Kanada ist ein föderalistisch organisierter Staat ("Confederation") mit zehn Provinzen und drei bundesabhängigen Territorien. Es gehört dem britischen Commonwealth an, Königin Elizabeth II. ist Staatsoberhaupt. Der von der Königin auf fünf Jahre ernannte Generalgouverneur ist ihr Vertreter. Seit Oktober 2010 hat David Johnston das Amt inne. Die Aufgaben desGeneralgouverneurs sind jedoch vorwiegend repräsentativer Natur. Nach 13 Jahren Regentschaft der Liberalen Partei, stellt seit 2006 die Konservative Partei unter Premierminister Stephen Harper die Regierung Kanadas, die bei den Wahlen am 2. Mai 2011 die absolute Mehrheit erreicht hat. Die Regierung Harper tritt für einen „offenen Föderalismus“ und ein starkes, dynamisches Québec in einem vereinten Kanada ein. Ziel ist eine Konzentration der Aufgaben des Bundes auf seine wesentlichen Kompetenzen Außenpolitik, Verteidigung, Wirtschaft, Immigration und die einheimische Bevölkerung (First Nations/Indianer), während die übrigen Agenden an die Provinzen abgegeben werden sollen.
Die bilateralen Beziehungen Österreich-Kanada
Die Beziehungen Österreichs zu Kanada sind traditionell freundschaftlich; in sehr vielen Fragen gelten die beiden Staaten als "like-minded". Aus der multilateralen Ausrichtung Kanadas ergeben sich auch in den bilateralen Beziehungen zu Österreich zahlreiche Berührungspunkte. Beide Staaten engagieren sich für die Stärkung multilateraler Organisationen. Österreich und Kanada verbindet auch die Mitgliedschaft im "Netzwerk Menschliche Sicherheit" (Human Security Network), ein Forum mit besonderem Engagement im Bereich der Menschenrechte und dem humanitären Schutz. In den Vereinten Nationen stimmt das Stimmverhalten von Kanada und Österreich in der Generalversammlung zu 96 % überein. Kanadische und österreichische Interessen decken sich unter anderem auch in den Bereichen Schutz von Kindern und Zivilisten in bewaffneten Konflikten, Beseitigung des illegalen Handels mit Klein- und Leichtwaffen, Zerstörung von Anti-Personenminen.
Österreich unterhält neben der österreichischen Botschaft in Ottawa sieben Honorarkonsulate (in Calgary, Halifax, Montreal, Regina, Toronto, Vancouver und Winnipeg) und zwei Außenhandelsstellen (Montreal, Toronto).
Kanada war über eine lange Zeit hinweg, einschließlich der Periode des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit, ein wichtiges Ziel für die Emigration aus Österreich. Heute leben an die 3.000 Passösterreicher und ca. 30.000 "Herzens-Österreicher" in Kanada. Seit 2002 ermöglicht das Student Work Abroad Program (SWAP) jungen ÖsterreicherInnen bzw. KanadierInnen im jeweils anderen Land bis zu einem Jahr zu arbeiten.
Neben dem österreichischen Kulturforum in Ottawa stellt das Wirth Institute for Austrian and Central European Studies an der Universität von Alberta in Edmonton ein wichtiges Zentrum für die kontinuierliche Präsentation österreichischer Kunst, Kultur und Wissenschaft dar.
Wirtschaftsbeziehungen Österreich-Kanada
Für Österreich ist Kanada der fünftgrößte Export-Überseemarkt.
Neben regen Handelsströmen verbindet Kanada und Österreich auch eine große Übereinstimmung in gemeinsamen Ansichten zu Handels- sowie Wirtschaftspolitiken, was die enge Kooperation und die Verpflichtung zu einem starken internationalen und multilateralen Wirtschaftssystem, welches sich zu WTO, Entwicklungszusammenarbeit und Nachhaltigkeit bekennt, zur Folge hat.
Im beiderseitigen Interesse liegt ein weiterer Ausbau der bereits starken Handels- und vor allem Investitionsbeziehungen zwischen der EU und Kanada. Österreich bringt Interessen in die laufenden Verhandlungen über ein Umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada ein. Für Österreich als Exportland, für das Kanada einen wichtigen Markt darstellt, wird ein solches Abkommen weitere Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Dies gilt zum Beispiel für den Bereich der öffentlichen Beschaffung, der einen wesentlichen Bestandteil des erweiterten Wirtschaftsabkommens darstellen wird. Weiters bemüht sich Österreich um eine bessere Platzierung heimischer Betriebe im kanadischen Markt für Umwelttechnologie, Alternativenergie und energiesparendes Bauen.
