Nordostasien
Prägend für die Region sind vor allem die Entwicklung Chinas vom Entwicklungsland zu einer der größten Volkswirtschaften der Welt, die politische Spaltung der Koreanischen Halbinsel und die Taiwan-Frage.
Seit der Umsetzung der chinesischen Öffnungspolitik 1982 durchläuft die Volksrepublik China einen raschen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch. Durch den Beitritt zur WTO (Welthandelsorganisation) im Dezember 2001 ist zusätzlicher Anpassungsdruck entstanden, welcher von den zu respektierenden WTO-Normen ausgeht. Die Folgen der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung sind wachsende soziale Unterschiede zwischen den Regionen, zwischen Stadt-Land sowie Küstengebieten-Binnenregionen, Engpässe in der Wasser- und Energieversorgung, sowie ökologische Auswirkungen. Folglich wurde im jüngsten 5-Jahres-Plan ausgewogenes Wachstum als politisches Ziel formuliert.
Die EU ist Chinas größter Handelspartner und Investor, umgekehrt ist China zweitgrößter Handelspartner der EU (nach den USA). Seit 2003 besteht die Strategische Partnerschaft EU-China, die der wachsenden Bedeutung Chinas Rechnung trägt. Seit 1994 findet halbjährlich ein Menschenrechtsdialog der EU mit China statt. Darüber hinaus findet ein regelmäßiger politischer Meinungsaustausch auf verschiedenen Ebenen statt, u. a. ein jährliches Gipfeltreffen EU-China. Die Zusammenarbeit erstreckt sich u. a. auch auf Umwelt- und Energiefragen.
Das Jahr 2011 steht im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen Österreich-China. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen in Österreich und China sollen zum Kennenlernen und Entdecken einladen und zur Vertiefung der Beziehungen beitragen. Ein Höhepunkt war der Staatsbesuch von Präsident HU Jintao vom 30. Oktober bis 2. November 2011 in Österreich.
Österreich verfolgt in Übereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit der Staatengemeinschaft – darunter alle EU-Mitgliedsstaaten - die „Ein-China-Politik“. Österreich unterhält mit Taiwan keine diplomatischen Beziehungen und auch keine diplomatischen Vertretungsbehörden. In vielen Bereichen wie Kultur, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft bestehen aber seit vielen Jahren enge und sehr gut funktionierende Kooperationen.In Taipei gibt es zudem ein Österreich-Büro, das der Pflege guter Beziehungen dient.
Japan bemüht sich seit dem Ende des Kalten Krieges um aktives, globales Engagement, beispielsweise im Rahmen von internationalen Friedens- und Hilfskonferenzen und in der Teilnahme an friedenserhaltenden Maßnahmen der VN. In diesem Zusammenhang bemüht sich Japan auch, im Zuge einer möglichen VN-Reform, um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Ein wichtiges Anliegen ist die Verbesserung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten (China, Südkorea) und die Teilnahme an regionalen Integrationsforen.
Auch die japanische Wirtschaft ist von der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Als Reaktion wurde ein neues Konjunkturpaket über rund 920 Mrd. Yen geschnürt. Damit verbunden soll auch eine neue Wachstumsstrategie umgesetzt werden, um die japanische Wirtschaft anzukurbeln. In Folge der dreifachen Katastrophe im März 2011 (Erdbeben, Tsunami, Atomunfall) bleibt die wirtschaftliche Situation weiter angespannt.
Die seit 1869 bestehenden offiziellen Österreich-Japan Beziehungen zeichnen sich durch intensiven kulturellen und wirtschaftlichen Austausch aus. Japan bleibt für Österreich einer der wichtigsten Handelspartner in Übersee und ist nach China der zweitwichtigste Markt in Asien. Einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Pflege der österreichisch-japanischen Beziehungen leisten rund 30 Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden sowie knapp 20 japanisch-österreichische Freundschaftsgesellschaften.
Prognosen des IWF zufolge zählt die Mongolei zu den am stärksten wachsenden Ländern des kommenden Jahrzehnts. Obwohl derzeit auf vergleichsweise niedrigem wirtschaftlichen Niveau, veranlassen die reichhaltigen Ressourcen des Landes (Kohle, Kupfer, Gold, Eisenerz, Uran, Seltene Erden) zu einem positiven Ausblick. Der seit 2009 bestehende „Human Development Fund“ soll einen Teil der aus den Bodenschätzen erwarteten Einnahmen direkt an bedürftige Bürger weitergeben.
Eine im Sommer 2011 durchgeführte österreichische Wirtschaftsmission in die Mongolei bestätigt, dass auch für österreichische Unternehmer enormes Investitionspotenzial in diesem Land besteht. Mit der EU hat die Mongolei ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen bereits fertig ausverhandelt. Im Demokratisierungsprozess und im Menschenrechtsbereich konnte die Mongolei in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielen, nun bemüht sie sich um eine Mitgliedschaft in der OSZE.
Die Nuklearproblematik prägt die politische Situation der Koreanischen Halbinsel. Die Internationale Gemeinschaft betrachtet das Nuklearprogramm der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) als inakzeptabel und hat dementsprechende Sanktionen im Rahmen der Vereinten Nationen verhängt. Zwischen Nord- und Südkorea besteht seit 1953 zwar ein Waffenstillstand, jedoch kein Friedensvertrag. Zur Lösung des Konflikts sollen die sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, Südkorea, China, USA, Japan und Russland beitragen, die derzeit jedoch unterbrochen sind.
Die Republik Korea (Südkorea) hat nach den Zerstörungen im Koreakrieg einen beachtenswerten Aufstieg von einem Entwicklungsland zu einer bedeutenden Wirtschafts- und Handelsmacht gemacht. Der Umstand, dass Südkorea im November 2010 als erstes asiatisches Land Gastgeber des G20-Gipfels war, trug dieser rasanten Entwicklung der letzten Jahrzehnte in anerkennender Weise Rechnung.
2010 erreichten Österreichs Exporte nach Südkorea einen Rekordwert (711,7 Mio €). Südkorea bleibt somit der drittgrößte Absatzmarkt und der drittwichtigste Handelspartner Österreichs in Asien (hinter China und Japan). Am 6. Oktober 2010 haben Südkorea und die EU ein Freihandelsabkommen unterzeichnet - das erste Freihandelsabkommen der EU mit einem asiatischen Land.
