Istanbul - Mit Blick auf den Bosporus
Einst Sommerresidenz des k. und k. Botschafters bei der Pforte, dient das Palais Yeniköy, ein spätklassischer Gebäudekomplex mit einem durch seinen Bestand an seltenen Bäumen bemerkenswerten Garten, seit 1994 dem nunmehrigen Österreichischen Kulturforum Istanbul als Standort. Das nach ersten Anfängen österreichischer Kulturarbeit in der Türkei noch in den 50er Jahren im Jahre 1961 als Nebenstelle des Österreichischen Kulturreferates in Kairo institutionalisierte und 1974 zum Kulturinstitut erhobene Kulturforum verfügt über eine Bibliothek (über 4.700 Werke), eine Videothek, die "Galerie Yeniköy" für Ausstellungen und einen mit dem Österreichischen Generalkonsulat gemeinschaftlich genutzten großen Veranstaltungssaal (260 Plätze).
Das Kulturforum Istanbul orientiert seine Programmgestaltung gezielt an den aktuellen Kulturdiskussionen in Österreich sowie an den Interessen der Kooperationspartner in der Türkei, vor allem Bildungseinrichtungen, wie etwa dem St. Georgs-Kolleg in Istanbul. Im Zentrum stehen Bildungsbereiche, die im Gastland nur unzureichend abgedeckt sind und für die in Österreich Partnerinstitutionen auf hohem internationalem Niveau zur Kooperation gewonnen werden können (Musiktheorie, Umweltschutz, Architektur und Denkmalpflege, Sportmedizin). Darüber hinaus wird eine gezielte Zusammenarbeit im Rahmen gemeinsamer Themenschwerpunkte mit den Kultureinrichtungen anderer Staaten (vornehmlich aus dem EU-Bereich) in der Türkei durchgeführt.
Schwerpunktprogramme umfassen österreichische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts (Lyrik mit Autorenlesungen, Literaturkritik, Historischer Roman, die Türkei in der österreichischen Gegenwartsliteratur, Theateraufführungen von Stücken oder Texten österreichischer Autoren, Literaturverfilmungen), unter Einbeziehung der Abschlussklassen des St. Georgs-Kollegs, der Deutschen Schule Istanbul und weiterer türkischer Schulen mit Deutsch-Schwerpunkt. Im musikpädagogischen Bereich wurde in Kooperation mit dem Mozarteum in Salzburg, der internationalen Carl-Orff-Stiftung, der Universität Istanbul und der Absolventenstiftung der St. Georgs-Kollegs die erste Orff-Schule in der Türkei eingerichtet und ein längerfristiges Projekt mit dem Mozarteum zur kompetenten Einführung der Carl-Orff-Lehrmethodik durchgeführt. Im Bereich Bildende Kunst / Film und Medien werden verstärkt durch Kooperationsprojekte neue Akzente gesetzt. Eine alternierend veranstaltete Türkische Filmwoche in Wien und Österreichische Filmwoche in Istanbul, begleitet von mit den Universitäten gemeinsam veranstalteten Seminaren und Workshops über Medienphilosophie und Videotechnik, Veranstaltungen zu den Themenkreisen „Österreich und die Europäische Union“, „Gemeinsame Geschichte“ oder „Österreichische Architektur“ runden das Konzept der Tätigkeit ab.
Die Türkei ist von Europa durch andersartige kulturelle Traditionen getrennt, mit ihm aber auch durch eine lange gemeinsame Geschichte vielfältig verbunden. Die Herstellung und Pflege intensiver Kulturkontakte durch Institutionen wie das Kulturforum Istanbul hilft, das Trennende zu verringern und die Gemeinsamkeiten zu stärken, und so die Türkei bei der Definition eines positiven Verhältnisses zu Europa zu unterstützen.
