Zagreb - Partner bei der Arbeit am neuen Selbstverständnis
Kroatien ist ein Beispiel dafür, dass im Zentrum der österreichischen Außenpolitik oft ein kultureller Impuls steht – lange vor der Aufnahme bilateraler diplomatischer Beziehungen hatte Österreich bereits eine offizielle Kultureinrichtung eröffnet. Das Kulturforum Zagreb geht auf eine im Jahr des Staatsvertrages gegründete österreichische Lesehalle zurück, die nach Erweiterung um einen Mehrzwecksaal für etwa 120 Personen im Jahre 1974 in ein Kulturinstitut und im Jahre 2001 in ein Kulturforum umgewandelt wurde. Auch nach der administrativen Anbindung an die im nunmehr unabhängigen Kroatien errichtete Österreichische Botschaft nützt das Kulturforum weiterhin die eigenen Räumlichkeiten.
Vermittelt werden sowohl das historisch Gemeinsame als auch ein modernes Österreichbild, indem das in Kroatien gängige Klischee von Österreich als Land der Klassischen Musik und des Walzers um die Darstellung der Leistungen zeitgenössischer österreichischer Bildender Kunst, Literatur und Wissenschaft ergänzt wird. Gemeinsam mit kroatischen Partnern und besonders auch durch die Mithilfe der kroatisch-österreichischen Freundschaftsgesellschaften wird in allen Teilen des Landes ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm realisiert.
Die österreichische Kultur in Kroatien genießt traditionell sehr hohes Ansehen genießt, einerseits ein Vorteil für die Tätigkeit des Kulturforumsl. Andererseits ist gerade aufgrund dieses Umstandes erhöhte Sensibilität geboten, da mit der Identitätsfindung des jungen Staates auch Ängste vor kulturellem Imperialismus und Vereinnahmung einhergehen, die wiederum Reflexe kultureller Abschottung auslösen können. Umso wichtiger ist die bewusste Betonung des Prinzips des Dialogs und der Zusammenarbeit mit lokalen Kulturschaffenden und -institutionen.
Das Kulturforum Zagreb sieht seine Tätigkeit in die größere Aufgabe eingeordnet, Kroatien bei dem Prozess der Definition seiner Identität zu unterstützen. Nach unserer Überzeugung kann es sich dabei nur um eine gegenüber allen anderen Nationen, einschließlich der anderen Völker des ehemaligen Jugoslawien, offene Identität handeln. Eine darauf Bedacht nehmende Kulturarbeit ist ein wichtiger Beitrag zu diesem Prozess.
