Auslandskulturpolitik
Die österreichische Außenpolitik bekennt sich zu einer aktiven und gestaltenden Auslandskulturpolitik. Ihre Aufgaben und Ziele sind in dem im September 2011 verabschiedeten "Auslandskulturkonzept" formuliert. Grundsätzlich wollen wir mittels der Kultur internationale Momente der Aufmerksamkeit für das kreative Österreich schaffen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der kulturelle Dialog immer mehr zu einem entscheidenden Faktor guter zwischenstaatlicher Beziehungen und der Chancen in Globalisierungsprozessen wird, sind die Aufgaben der österreichischen Auslandskulturpolitik sehr klar:
Der Standort Österreichs in Europa soll mit kulturellen Mitteln verständlich und wahrnehmbar gemacht werden. Europa wird immer auch durch seine Geschichten und die Vorstellungen seiner Bürger geschaffen. Daher ist die Europäische Integration in ihrem Kern eine kulturelle Aufgabe.
Kultur bietet Österreich die Chance weltweiter Wahrnehmung. Im wachsenden Wettbewerb um "Momente der Aufmerksamkeit" hat Österreich sehr gute Chancen über seine großen kulturellen Leistungen entdeckt und daran gemessen zu werden.
Die internationalen Aktivitäten in den Bereichen Kunst und Wissenschaft müssen um Bildungsprojekte ergänzt werden, weil der künftige europäische Wissensraum vom Gelingen europäischer Bildungsvorstellungen abhängen wird.
Mit einem Engagement für ein Europa der Vielfalt soll gleichzeitig gegen ein Übermaß an Identitätspolitik entgegengesteuert werden. In einer offenen Kulturarbeit gilt es Interessensübereinstimmungen zu unterstützen, die nicht unbedingt national zuordenbar sein müssen.
Diese Aufgaben bestimmen die Ziele der österreichischen Auslandskulturpolitik:
Wir wollen beitragen, dass Europa kultureller wird. Die Stärke Europas liegt auch in seiner kulturellen Vielfalt. Eine Gemeinschaft, die sich nur auf Politik und Wirtschaft verlässt, könnte weder eine Begeisterung für Europa, noch eine europäische Öffentlichkeit, noch ein wirklich demokratisches Europa schaffen.
Wir wollen - im gemeinsamen Interesse - unsere Nachbarn als Verbündete bei der Verwirklichung der Chancen des Kulturraumes Mitteleuropa gewinnen.
Wir wollen mitwirken, dass Südosteuropa in den kulturellen Dialog Europas voll integriert wird, damit in diesen Ländern die Stärkung der Zivilgesellschaft eine Stabilisierung erleichtert.
Wir wollen den Dialog der Kulturen und Zivilisationen in konkreter Form stärken, auch weil wir historische Erfahrungen mit dem Kampf der Sprachen und Kulturen und mit totalitären Ideologien gemacht haben.
Dazu braucht die Auslandskulturarbeit flexible Strukturen und moderne Methoden. Zur Zeit verfügt die österreichische Auslandskulturpolitik über ein weltweites Netzwerk von 30 Kulturforen, 60 Österreich-Bibliotheken, 9 Sprachinstituten, speziellen Kooperationsbüros in Washington, Lemberg und Sarajewo sowie seine Botschaften und Generalkonsulate, die in die Kulturarbeit eingebunden sind. Mit diesen Aufgaben und Zielen ist die österreichische Auslandskultur längst nicht mehr Repräsentation der Vergangenheit, sondern eine Investition in die Zukunft oder vielmehr wie jedes kulturelle Projekt eine Intervention, die Neues verspricht.
Botschafter Dr. Martin Eichtinger
Leiter der Kulturpolitischen Sektion

