Österreichisch-Indonesischer Dialog
Von 27. bis 29. Mai 2009 veranstaltete das österreichische Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten in Kooperation mit dem indonesischen Außenministerium das Symposium "State, Law and Religion in Pluralistic Societies - Austrian and Indonesian Perspectives". Das Symposium wurde gemeinsam mit der Juridischen Fakultät der Universität Wien vorbereitet und spiegelt das Interesse beider Länder wider, Pluralismus aktiv zu fördern und dabei Best-Practice Beispiele für Diversitätsmanagement zu entwickeln, v.a. was die Religionsvielfalt betrifft. Das Symposium ist eine bedeutende Veranstaltung im Ausbau des Dialoges zwischen Österreich und Indonesien und konkretes Resultat eines bilateralen DiplomatInnen-Austausches, der im Bereich "Dialog der Kulturen und Religionen" im Jahr 2008 durchgeführt wurde. Dieses Symposium soll somit den Dialog zwischen beiden Ländern auf allen Ebenen bestärken: der öffentliche Verwaltung, den Universitäten und Forschungseinrichtungen, der Zivilgesellschaft und den religiöse Gemeinschaften.
14 ExpertInnen und JournalistInnen aus Indonesien, sowie 19 österreichische TeilnehmerInnen diskutierten Erfahrungen und „Good-Practice-Beispiele“ im Bereich religiösem Diversitätsmanagements aus rechtlicher, politischer, gesellschaftlicher kommunaler Perspektive. Unter den TeilnehmerInnen befanden sich hochrangige, religiöse Führungspersönlichkeiten, wie Ahmad Hashim Muzadi, Vorsitzender der Nahdlatul Ulama, der größten muslimischen Vereinigung Indonesiens, Prof. Syafiq A. Mughni, Vorsitzender von Muhammadiyah-Ost Java, der zweitgrößten muslimischen Gruppierung Indonesiens, und Prof. Franz Magnis-Suseno, der als katholischer Priester und früherer Rektor der jesuitischen Gemeinschaft "Hermanum College" in Jakarta seit über 40 Jahren ein aktiver und energischer Vertreter des interreligiösen Dialogs in Indonesien ist. Pfarrer Natan Setiabudi repräsentierte die Indonesische Kirchengemeinschaft.
Prof. Siti Musdah Mulia und Dr. Fatimah Husein präsentierten die zahlreichen Aktivitäten im interkonfessionellen Dialog mit Schwerpunkt Frauen, Gender und marginalisierte Gruppen. Prof. I Dewa Gede Palguna, Dozent an der Juridischen Fakultät and früherer Leiter des Institutes für Internationales Recht an der Udayana Universität in Bali, vermittelte die Dynamik der indonesischen Staatsverfassung im Hinblick auf Religionsvielfalt. Unter den österreichischen TeilnehmerInnen waren Univ. Prof. Richard Potz, Vizedekan der Juridischen Fakultät und Vorstand des Instituts für Rechtsphilosophie der Universität Wien Prof. Irmgard Marboe, Abteilung für Völkerrecht und Internationale Beziehungen der Universität Wien, Prof. Ednan Aslan vom Institut für Islamische Religionspädagogik der Universität Wien, Prof. Susanne Heine, Institutsvorstand des Instituts für Praktische Theologie und Religionspsychologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät und Prof. Ingeborg Gabriel, Institutsvorstand des Instituts für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Dechant Martin Rupprecht, Vorsitzender des Zentrums für christlich-islamische Begegnung der Erzdiözese Wien, gehörte ebenso zu den mitwirkenden ExpertInnen.
Das Programm setze sich zusammen aus ExpertInnengesprächen zur Rolle der religiösen Gemeinschaften in der Vermittlung von Toleranz in Gesellschaft und kulturellem Leben, zur Frage von religiöser Freiheit, Säkularität und Neutralität des Staates, sowie zu Minderheitenrechten, Autonomie und Rechtspluralismus. Zu den wichtigsten Diskussionspunkten zählten die Frage der Umsetzung der Rechtsstaatlichkeit in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft, die Gewährleistung der Religionsfreiheit und des harmonischen Zusammenlebens der BürgerInnen mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. Politische und gesellschaftliche Bedingungen religiöser und kultureller Toleranz wurden ebenso hervorgehoben, wie die Verantwortung der BürgerInnen betont, zu einer friedlichen Koexistenz von Menschen mit unterschiedlichen religiösen Anschauungen beizutragen. Besondere Beachtung wurde den speziellen Herausforderungen und der Rolle der Frauen in diesem Kontext geschenkt. Indonesische ExpertInnen hielten Vorlesungen zum Thema „Globalisierung und Islamische Moderne“ an der Universität Wien und im Rahmen eines öffentliche Vortrages an der Diplomatischen Akademie Wien wurden Menschen- und Minderheitenrechte, sowie Gender-Perspektiven im Religionsdialog diskutiert. Das internationale Presse Institut (IPI) lud österreichische und indonesische JournalistInnen zu einem Hintergrundgespräch ein.
Die Republik Indonesien setzt ihren Dialog-Schwerpunkt auf das "Empowerment der moderaten Kräfte", was die Effektivität des Dialogs erhöht, und die Einbindung religiöser und kultureller Führungskräfte in den Dialog.
Österreich hat infolge seiner historischen und geopolitischen Situation eine langjährige Tradition im interkulturellen und interreligiösen Dialog, insbesondere mit der muslimisch geprägten Welt und dem Islam in Europa. Die rechtliche Anerkennung des Islams bereits im Jahre 1912 hat wesentlich dazu beigetragen, dass Dialogaktivitäten seit Jahrzehnten einen prominenten Platz auf der außenpolitischen Agenda einnehmen. Aktuelle Diskussionen über die Präsenz und Partizipation von MuslimInnen in Österreich und Europa und islamischen Denkens in diesem Zusammenhang wiederum machen die Notwendigkeit des Erfahrungsaustausches, des Voneinander-Lernens deutlich, um den Herausforderungen der Globalisierung gerecht werden zu können.
