Alpenrausch im Al-Azhar Park
Bei „Austria meets Egypt: Festival der vergänglichen Kunst“ in Kairo genossen 6000 Besucher einen Abend lang die Begegnung zweier Kulturen
Ein Paar posiert vor Gustav Klimt’s Bild „Der Kuss“. In Österreich hätte sich das Pärchen in Klimtscher Manier womöglich vor der Fotokamera geküsst. Hier lächeln eine Frau im schwarzen Schleier und ihr Ehemann in die Linse. Klimt kommt bei den Ägyptern gut an. Fünfzehn seiner Werke wurden auf 1,50 Meter breiten Bannern gedruckt. Sie hängen in der Palmenallee vom Al-Azhar Park, einem der schönsten Parks in Kairo.
Die Klimt-Ausstellung ist nur eines der vielen „Schmankerln“, das das „Festival der vergänglichen Kunst“ am 1. Juni zu bieten hatte. Unter dem Motto „Austria meets Egypt“ hat das Österreichische Kulturforum in Kairo ein Programm auf die Beine gestellt, das bei den rund 6000 Besuchern reißenden Absatz fand: Neben österreichischer Schrammelmusik gab es Märchenerzähler, Theaterworkshops und Apfelstrudel beim Österreichstand.
Unter dem Motto der „vergänglichen Künste“ wurden vorwiegend Kunstarten vorgestellt, die zwar keine sichtbaren, dafür aber umso tiefere emotionelle Spuren hinterlassen sollen. Im Vordergrund des Fests, das vom österreichischen Botschafter Thomas Nader, dem Gouverneur Kairos und dem Direktor des Al-Azhar Parks eröffnet wurde, stand außerdem die eigene Kreativität: Jung und Alt konnten ihr eigenes Klimt-Werk malen, mit bunten Sägespänen experimentieren und auf langen Blechwänden mit Kreide Kunstwerke vollbringen. Von fünf bis neun Uhr abends wurde also unablässig gezeichnet, gebastelt, gelauscht und über „Al-Nimsa“, Österreich, getratscht.
Möglich haben das Ganze die 34 Volontäre gemacht – ägyptische Künstler und Künstlerinnen, Studierende oder einfach Freiwillige, die Lust hatten mitzuhelfen und Workshops für Jung und Alt zu halten. Am Ende des Tages zeigten sich alle sehr zufrieden – so zufrieden, dass auf Wunsch des Gouverneurs und der Parkdirektion der Österreichtag in den nächsten Jahren zu einem Fixtermin auf dem kairinischen Kulturkalender werden soll.

