A Contemporary Persian Garden Feast
75 iranische KünstlerInnen interpretieren den Garten der Residenz des österreichischen Botschafters in Teheran neu

- A Contemporary Persian Garden Feast 1

- A Contemporary Persian Garden Feast 2

- A Contemporary Persian Garden Feast 3

- A Contemporary Persian Garden Feast 6

- A Contemporary Persian Garden Feast 7

- A Contemporary Persian Garden Feast 9
75 iranische KünstlerInnen bespielten mit Installationen, Projektionen, Performances, Musik und ‚land (art) eating‘ am 29. September den Garten der Residenz des österreichischen Botschafters in Teheran. Gemeinsames Thema waren die Missachtung und der Missbrauch historischer persischer Gärten durch Menschen des 21. Jahrhunderts.
Persische Architekten hatten diese weltberühmten Gärten als Interaktionsort zwischen Mensch und Natur gestaltet. Sie enthalten viele Geheimnisse und Symbole des spirituellen und intellektuellen Lebens der alten Perser. Alle iranischen Religionen sehen in ihnen sowohl Utopia als auch den Paradiesgarten. Der Himmel wird in den Decken der Spiegelsäle der Gebäude und in Wasserbecken gespiegelt erblickt. Vor allem vom Mithraismus stammen die Bedeutung und Verehrung des Wassers bei der Gartengestaltung, in Springbrunnenräumen und unterirdischen Quellenhäusern.
Unter der Gesamtleitung von Sarah Reyhani und unterstützt von der führenden internationalen Teheraner Kunstgalerie ‚Aaran‘ und deren Eigentümerin Nazila Noebashari wurde im Residenzgarten ein 14-Stationen-Parcours aufgebaut. Er sollte die BegeherInnen die alte persische Gartenkultur, welche seit den 1970er-Jahren im Norden Teherans stückweise abgetragen worden war, neu er-lesen lassen.
Zu Beginn machte sich ein in Goldpapier eingewickelter Bagger (fast) daran, einen Block historischer Ziegel im Lustgarten zu zerstören. Die Verbindung beider Objekte waren Goldmünzen, welche vom Bagger aus in ein historisches Becken flossen, das aus zwei Weltenschlagen gestaltet ist und das Ende der ausgeklügelten Wasserläufe des persischen Garten der österreichischen Residenz darstellt (Sasan Abri). Im großen Teich vor der Villa bewegten sich drei große traurige (projizierte) iranische Gesichter, als wollten sie dem Wasser in den Garten entsteigen, dies aber nicht schafften (Amin Davaie).
Während das historische Innere der mehr als 100 Jahre alten Villa nicht betreten werden sollte, konnte im Spiegelsaal durch die Außenfenster die Installation ‚Room no. 22‘ - eine After-Work-Fadesse vor dem Fernseher - von Ebrahin Eskandari erblickt werden. Die Außenmauern wurden von zwei projizierten Männern mit Spitzhacken eingerissen: ‘Destruct. Abolish‘ (Ali-Yar Rasti). Draußen in einem Parkrondeau saß ein in Watte eingewickelter Körper und schaukelte eine projizierte überlebensgroße Figur in den Bäumen (Sasan Abri / Ali-Yar Rasti).
Für manche wohl am „spannendsten“ war das ‚land (art) eating‘, das Essen einer 3x1m großen Torte der Nachbildung des Residenzgartens der beiden KünstlerInnen Leila Mofid und Golshan Roshdie. Das Essen der Kunst wurde in regelmäßigen Abständen automatisch fotografisch festgehalten, woraus ein weiteres Kunstwerk entstand.
Die Theater- und Pantomimengruppe junger IranerInnen unter Einschluss junger afghanischer Flüchtlinge unter Leitung von Hamid Poorazari, welcher heuer bei den Wiener Festwochen Gesprächsgast in der Festwochen-Lounge im Looshaus war, zog interagierend mit den Gästen mit einem musik-unterlegtem Thespiskarren durch die historische Parkanlage. Am oberen Springbrunnenteich führte sie Szenen aus dem Frauen-Männer-Alltagsleben im Iran auf - begleitet von Melonen- und Granatäpfeldarreichungen an die ZuseherInnen, Wasserpfeife-Angeboten und gemeinsamem Singen traditioneller persischer Lieder und Gedichte-Lesungen an Lagerfeuern, wo auch eine Handleserin ihre Dienst anbot.
Als österreichischen Akzent und im Rahmen des von der Botschaft gezielt geförderten interkulturellen Austausches trug die österreichische Künstlerin Sabine Müller-Funk am letzten Tag ihres Teheraner Artist-in-residence-Aufenthalts im ‘Teehaus‘ der österreichischen Residenz mit ‚land art‘ und Projektionen zum Event bei: Von einem bestimmten Punkt vor dem ‘Teehaus‘ waren Bäume wie mit einem Farbband verbunden wahrzunehmen, und neben der Residenz wurden kolossale Augenaufschläge auf zart beschriebene dünne Stoffgitter projiziert: “The looking into the world is a semi-permeable membrance which allows us to connect to the ‘other‘ at the same moment as it brings the difference of the ‘other‘ into our conscience.“
Umrahmt war der Abend von der bekannten Musikgruppe ‚Bomrani Music‘, welche Blues und Country Music mit persischer Sprache ergänzt, aber gleichzeitig die musikalischen Wurzeln erhalten will.
„So etwas gab’s noch nie im Iran“ – so der Kurzkommentar eines führenden iranischen Kunstkenners und –kritikers, welcher einer der rund 400 Gäste war. Der iranische Architekt, welcher das Haus vor rund 30 Jahren renovierte, konnte Hinweise auf dessen früheren Zustand geben. Und ein früherer iranischer Diplomat erinnerte sich daran, dass er in diesem Garten in den 1950er-Jahren Boogie-Woogie und andere westliche Tänze der Zeit lernte und tanzte …
