Im Zeichen der kulturellen Vielfalt in einem geeinten Europa
14.03.2005
Tagung der österreichisch - belgischen Kulturkommission
Vom 10. bis 11. März 2005 trat die Ständige Gemischte Kommission zur Durchführung des Kulturabkommens zwischen der Republik Österreich und dem Königreich Belgien in Brüssel zum vierundzwanzigsten Mal zu einer Tagung zusammen. Die zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Österreich und Belgien auf dem Gebiet der Bildung, der Erziehung und des Schulwesens sowie der Literatur, Wissenschaft und Kunst reichen auf eine lange und erfolgreiche Tradition zurück, sie wurden mit dem am 17. Oktober 1952 in Brüssel unterzeichneten Kulturabkommen geschaffen.
Ursprünglich hatte dieses Abkommen im Interesse einer Förderung und Vertiefung der kulturellen Beziehungen sogar den Einsatz temporärer Unterkommissionen für die Behandlung von Fragen technischer Art vorgesehen. Die politische Entwicklung im Nachkriegseuropa bis hin zur Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union hat dazu geführt, dass auch im Kulturbereich immer mehr Anliegen in direkten Absprachen zwischen Behörden oder wissenschaftlichen Institutionen geregelt wurden und nur mehr grundsätzliche Fragen bzw. Vorhaben mit bedeutenderen budgetären Leistungen von der Ständigen Gemischten Kommission behandelt und in Form von jeweils für etwa vier Jahre laufenden Arbeitsprogrammen vereinbart wurden.
Entsprechend der besonderen staatlichen Struktur des Königsreiches Belgien wurden die Beratungen getrennt mit den drei Sprachgemeinschaften Belgiens geführt, wobei jedes der drei Programme spezielle Schwerpunkte enthält. So betont das Arbeitsprogramm mit der Französischen Gemeinschaft die Bedeutung des Beitritts Österreichs als Beobachter zur Frankophonie und Projekte zur Förderung der französischen Sprache im Sinne einer kulturellen Vielfalt und der Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union. Die mit der Flämischen Gemeinschaft und mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft vereinbarten Arbeitsprogramme verweisen besonders auf die Bedeutung der Zusammenarbeit im Rahmen europäischer Programme und unterstreichen die Wertschätzung für den Grundsatz der Subsidiarität und der Vielfalt innerhalb der europäischen Kultur.
Ingesamt regeln die Arbeitsprogramme die Zusammenarbeit für die Zeit von 2005 bis 2008 in den Bereichen Wissenschaft und Hochschulwesen, allgemein bildendes und berufsbildendes Schulwesen, Erwachsenenbildung und Lehrer/Innenfortbildung, Kunst und Kultur sowie Jungend und Sport. Die bestehende Kooperation auf regionaler Ebene soll zwischen dem Bundesland Wien und der Region Wallonie fortgesetzt werden.
Die neuen Arbeitsprogramme stellen ein Abbild der über Jahrzehnte traditionell gewachsenen Kulturbeziehungen dar. Sie sind von dem gemeinsamen Interesse an einer Wahrung der kulturellen Vielfalt in einem geeinten Europa geprägt. Obwohl Belgien nicht ein unmittelbarer Nachbar Österreichs ist, ist das wechselseitige Interesse beider Länder an der Regelung der kulturellen Beziehungen auf zwischenstaatlicher Ebene lebendig. Die in Brüssel angenommenen österreichisch-belgischen Arbeitsprogramme sind auch Ausdruck einer europäischen Kulturpolitik mit der die kulturelle Vielfalt in einem geeinten Europa gefördert wird. Das Thema "Kreativität kultureller Vielfalt" wird auch Schwerpunkt österreichischer Kulturpräsentationen in Brüssel während der EU-Präsidentschaft 2006 sein.
