Polnisches Jahr in Österreich
27.02.2002
2002/03 führt Polen in Österreich das vielseitig angelegte Kulturprojekt "Polnisches Jahr in Österreich 2002" durch. Es wird die im Jahr 2002 größte Präsentation polnischer Kultur im Ausland sein, die ca. 100 Kulturveranstaltungen unterschiedlicher Art umfassen wird.
Von April 2002 bis April 2003 werden polnische Kunst und Kultur in renommierten Museen, Galerien, Konzertsälen und Theatern in Wien, Linz, Graz, Salzburg und Innsbruck zu Gast sein. Die Außenminister beider Länder haben eine Vereinbarung getroffen, die dem Projekt eine offizielle und politische Dimension verleiht.
Ziel des Polnischen Jahres in Österreich 2002 ist es, Polen als ein offenes, modernes Land mit großem kulturellen und wirtschaftlichen Potenzial bekannt zu machen. Das reichhaltige, interdisziplinäre und facettenreiche Programm soll den Österreichern die interessantesten Ideen und Trends in der polnischen Kultur, Kunst und Wissenschaft vermitteln und objektive Informationen über Polen und seine wirtschaftlichen und politischen Leistungen liefern. Das Polnische Jahr soll auf diese Weise bei der Annäherung der beiden Völker eine wichtige Rolle spielen und im Kontext der EU-Osterweiterung ein positives Bild von Polen schaffen. Das Aufzeigen des polnischen Beitrags zum Welt- und europäischen Kulturerbe und die Erinnerung an die geschichtliche Bindung zwischen Österreich und Polen sollen dazu beitragen, die auf beiden Seiten bestehenden Stereotypen und Vorurteile abzubauen und einen intensiven Dialog zwischen unseren Völkern in Gang setzen.
Das Programm des Polnischen Jahres sieht Ausstellungen, Konzerte, Theatervorstellungen, Filmvorführungen, literarische Treffen, Tagungen und wissenschaftliche Seminare vor. An seiner Erstellung sind führende österreichische Kulturinstitutionen beteiligt, u.a. das Kunsthistorische Museum und das Leopold Museum in Wien, die Kunsthalle Wien oder der Verein KulturKontakt Austria. Das Kulturprogramm wird von politischen Treffen, wissenschaftlichen Tagungen und polnisch-österreichischen Wirtschaftsseminaren sowie Veranstaltungen für Polen als Reiseland begleitet.
Die wichtigsten Veranstaltungen
(Programmplanung - Stand Februar 2002)
Wien
Seitens des Bundeskanzleramtes/Kunstsektion und des Filmarchivs Austria wird für den Zeitraum 16.4. bis 1.5. 2002 eine Retrospektive des Filmschaffens von Andrzej Wajda vorbereitet.
Die offizielle Eröffnung des Polnischen Jahres in Österreich erfolgt am 18. April 2002 im Wiener Musikverein mit einem Galakonzert des Radiosymphonieorchesters Kattowitz (Dirigent: Wit). Das Konzert wird den Charakter einer offiziellen Veranstaltung tragen, an der die Staatspräsidenten Polens und Österreichs sowie weitere hochrangige Vertreter des politischen und kulturellen Lebens beider Länder teilnehmen.
Der erste spektakuläre Akzent des Ausstellungsprogramms wird die am 24. Mai 2002 zu eröffnende Ausstellung "Die Fresken von Faras. Große Entdeckungen der polnischen archäologischen Mission" sein, die das Nationalmuseum in Warschau für das Wiener Kunsthistorische Museum zusammengestellt hat. Bis zum 15. September werden die Österreicher die Schönheit der frühchristlichen Fresken bewundern können, die Professor Kazimierz Michalowski in der nubischen Wüste entdeckte.
"Die Schatzkammer Polens" ist der Titel der nächsten großen Ausstellung im Kunsthistorischen Museum, die vom 11.10.2002 bis zum 19.01. 2003 zu sehen sein wird. Die vom Warschauer Königsschloss und dem Nationalmuseum in Warschau vorbereitete Ausstellung wird den Besuchern das riesige Ausmaß der polnischen Sammlungen vor Augen führen. Die Machtinsignien und wertvollsten Schätze der sakralen Kunst aus der Zeit der polnischen Monarchie werden präsentiert, die Kontinuität der historischen Verbindungen zwischen Polen und den europäischen Strömungen in Kultur und Kunst aufgezeigt sowie die dynastischen Verbindungen zwischen Polen und seinen Nachbarstaaten dargestellt.
In der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere wird vom 2. Juli bis 29. August 2002 die Ausstellung "Galizien. Eine Reise in ein fernes Land" mit Bildern aus dem Polnischen Nationalmuseum in Krakau gezeigt
Für Dezember 2002 ist im Leopold Museum die Eröffnung der nächsten polnischen Ausstellung geplant, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum in Warschau entsteht und bis Ende März 2003 zu sehen sein wird. Die Ausstellung wird Arbeiten von Mitgliedern der Künstlergruppe "Rytm" sowie von Künstlern der älteren Generation aus der Krakauer Akademie der Schönen Künste zeigen.
Der darauf folgende Programmpunkt ist die Präsentation von Gegenwartskunst aus Polen, die in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Wien und KulturKontakt Austria entsteht. Von Mitte September bis Mitte November 2002 wird im Project Space der Kunsthalle am Karlsplatz ein komplexes Programm künstlerischer Aktionen durchgeführt werden. Das vom Zentrum für Medienkunst WRO in Breslau ausgearbeitete Programm umfasst Performances und Interventionen im urbanen Raum sowie polnische Medienkunst. Einige Künstler werden zur Interpretation des öffentlichen Raumes eingeladen; das beste von einem polnisch-österreichischem Expertenteam ausgewählte Projekt wird im Rahmen des Polnischen Jahres auf dem Karlsplatz umgesetzt werden. Die theoretische Ergänzung der experimentellen künstlerischen Aktivitäten wird das Symposion "Der öffentliche Raum - eine neue Bühne der Kultur" darstellen. Das Symposium wird organisiert vom Museum für Moderne Kunst in Niepolomice, von der Kunsthalle Wien und vom KulturKontakt Austria organisiert.
Das Filmprogramm - vorbereitet in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria - wird in der zweiten Novemberhälfte 2002 zu sehen sein. Es umfasst 26 Filme, u.a. die Meisterwerke von Wojciech Jerzy Has und Werke von Regisseuren der jüngeren Generation, die als seine Schüler gelten, sowie Filme aus dem europäischen Ausland, in denen Galizien-Motive eine Rolle spielen. Was die verschiedenen Themen miteinander verbindet, sind die Person und das Werk von Bruno Schulz, dem polnisch-jüdischen Maler und Schriftsteller.
Die Internationale Chopin-Gesellschaft in Wien feiert im nächsten Jahr ihren 50. Geburtstag. Aus diesem Anlass wird in Wiener Konzertsälen ein Zyklus festlicher Konzerte aufgeführt werden. Kammermusikensembles und Solisten aus Polen werden an drei dieser Konzerte beteiligt sein - im Oktober und Dezember 2002 sowie im Februar 2003. Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt mit der Chopin-Gesellschaft wird im Rahmen des 18. Chopin-Festivals in Gaming / Niederösterreich durchgeführt werden.
Das Musikprogramm umfasst ebenfalls Gegenwartsmusik - Jazz, Avantgarde und Experimentelle Musik, die in einem Konzertzyklus im Wiener Jazz- und Musikklub Porgy&Bess präsentiert wird. Hier werden, in Kooperation mit dem Bromberger Musikklub Mózg (Hirn), im Herbst kommenden Jahres junge polnische Musiker, die in der aktuellen Klub- und Alternativszene engagiert sind, ihre Musik vorstellen. Im Verlauf des Polnischen Jahres in Österreich 2002 wird ein attraktives Literarisches Programm durchgeführt. Im ganzen Land werden zahlreiche Autorenabende, szenische Lesungen und Diskussionen stattfinden, die gemeinsam mit österreichischen Partnern -Literaturvereinen und Redaktionen literarischer Zeitschriften ("Podium", "Literatur und Kritik") - vorbereitet werden, die diese Veranstaltungen in ihr Programm integrieren. Rückgrat des Literaturprogramms in Wien wird das dreitägige Fest der polnischen Literatur mit einem reichhaltigen Programm von Autorentreffen, Präsentationen und Diskussionen darstellen, das in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Wien und mit bedeutender finanzieller Unterstützung der die Kulturabteilung der Stadt Wien organisiert wird.
Für Oktober 2002 ist eine populär gehaltene Großpräsentation der Stadt Krakau am Platz "Am Hof" geplant, die von der Stadt Wien unterstützt wird. Im April 2003 ist zum Thema "Zukunft der Jugend" ein großes Abschlußfest geplant.
Das Polnische Jahr in Österreich 2002 wird ebenfalls in anderen Städten und Regionen Österreichs in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kulturbehörden und Kultureinrichtungen abgehalten (nachfolgend Beispiele):
Linz
Die Arbeitsgruppe "Polnisches Jahr in Österreich" wird die polnische Kultur in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Linzer Stadtverwaltung im Rahmen des Linzer Stadtfestes im Juni 2002 präsentieren. Das Breslauer Zentrum für Medienkunst WRO bereitet in Kooperation mit dem Festival für Kunst, Medien und Gesellschaft Ars Electronica ein Programm mit Netzwerkaktivitäten und Multimedia-Konzerten polnischer Künstler vor.
In Vorbereitung sind Aufführungen polnischer Musik durch das Brucknerorchester in Linz unter der Leitung eines polnischen Dirigenten und der Mitwirkung polnischer Solisten.
Graz
Gemeinsam mit dem Kulturzentrum bei den Minoriten ist die Durchführung eines spartenübergreifenden Programms geplant; im Rahmen dieser Zusammenarbeit wird im Juni 2002 die Rauminstallation Generator III - eine Synthese aus Malerei, Sound und Videoprojektion - von Lech Twardowski entstehen.
Im September 2002 findet im barocken Zisterzienserkloster Stift Rein bei Graz ein Galakonzert statt, und im November wird dort eine Ausstellung der Krakauer Weihnachtskrippen eröffnet, die das Historische Museum der Stadt Krakau vorbereitet.
Salzburg
Höhepunkt der Präsentation polnischer Kultur in Salzburg ist das Konzert des Österreichischen Ensembles für Neue Musik, bei dem Werke der polnischen Gegenwartsmusik aufgeführt werden. Das Konzert wird von einem Vorlesungszyklus über die polnische Musik des 20. Jh. ergänzt.
Die Redaktion der Salzburger Literaturzeitschrift "Literatur und Kritik" bereitet ein Diskussionsprogramm vor, dessen Thema die Literatur und aktuelle Probleme der Gegenwart sein werden.
Tirol
Das polnische Programm in Tirol entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Internationalen Akademie für Neue Musik und Audio Art Avantgarde Schwaz und umfasst die Präsentation der Werke des Komponisten und Bühnenschriftstellers Boguslaw Schaeffer, dessen neuestes sinfonisches Werk Das Leben einer Stadt hier seine Welturaufführung erleben wird.
Koordinator des Projektes seitens BMAA:
Ges. Dr. Emil Brix
Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten
Minoritenplatz 9, A-1014 Wien
tel. (+43-1) 531 15-3539
fax. (+43-1) 536 66-3539
e-mail: emil.brix@bmaa.gv.at
