Österreichische Kulturwoche in Georgien
24.05.2002
Wien (OTS) - Vom 12. - 17.5. fanden über Vermittlung des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten die 2. österreichische Kulturwoche an der Ilja Tschavtschavadze Universität in Tblissi mit Schwerpunkt "Zeitgenössische österreichische Literatur und Musik" statt. Mit der am 15. Mai offiziell eröffneten "2. Österreichischen Kulturwoche" (die erste war 1997 ) konnte ein neuer Akzent in den Kulturbeziehungen zwischen Österreich und Georgien gesetzt werden, der unter anderem das in den letzten Jahren rasant zugenommene Interesse für zeitgenössische österreichische Literatur in Georgien hervorhebt. Wie Dr. Monika Kalista, die Leiterin der kulturpolitischen Sektion im Außenministerium in ihrer Eröffnungsrede betonte, liegt dies nicht nur an den zahlreichen Stipendien für Übersetzungen ins Georgische, sondern auch an der Qualität dieser Arbeiten, die bereits mehrere Übersetzerpreise erhalten haben.
In Tblissi befindet sich seit dem Jahre 2000 auch die einzige Österreich-Bibliothek im südkaukasischen Raum mit ca. 4000 Bänden. Besondere Anerkennung gebührt ihrer Leiterin Mzia Galdavadze, die auf eigene Initiative und unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Georgiens diese Kulturwoche organisiert hat. Unterstützt wurde sie von der österreichischen Honorarkonsulin und AUA-Vertreterin Eva Berger, die auch Sponsorin einiger Kulturprogramme ist. Neben Vorträgen und einer Konferenz über die Entwicklung der österreichischen Literatur finden in Form eines Lesekonzertes Vertonungen von Jandl- Texten durch die Gruppe NOVI SAD, eine Vorführung der Verfilmung von Erich Hackls Erzählung "Abschied von Sidonie", ein Konzert mit einem Musikworkshop von Wolfgang Panhofer sowie die Ausstellung mit Arbeiten von ehemaligen KulturKontakt-Stipendiaten ein breites Echo.
Durch den regen Kontakt zwischen verschiedenen Bildungsinstitutionen und dank österreichischer Stipendien für georgische Studenten, hat sich in Tblissi ein Alumni-Verein gebildet. An der Universität von Tblissi kann das Österreichische Sprachdiplom erworben werden. Großes Aufsehen erregte der von der Tschavtschavadze- Universität gratis herausgebrachte Sammelband - 1.Teil- mit dem Titel "Die dritte Generation - Österreichische Autorinnen und Autoren der letzten zwanzig Jahre. Parallel dazu wurden die darin vertretenen SchriftstellerInnen in einer Ausstellung einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Die Ausstellung wird im Anschluss an Tblissi nach Telawi weiterreisen, wo Österreich gerade eine Schule mit erweiterten Deutschunterricht renoviert, der zweite Teil des Sammelbandes folgt im Herbst.
Historisch gesehen waren die bilateralen Beziehungen vor allem kulturell-politischer Natur. An der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert spielte Georgien für die österreichisch-ungarische Monarchie eine besondere Rolle. Zwei der drei Konsulate in Südkaukasien waren in Georgien, nämlich in Batumi und Tblissi untergebracht. In Österreich ist inzwischen fast vergessen, dass Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner 10 Jahre ihres Lebens in Georgien - "die Schule ihres Lebens", wie sie sagte - verbracht hat (1876-1985). In Tblissi erinnerte man daran, als vor drei Jahren ein Berta von Suttner Seminar an der dortigen Universität durchgeführt wurde was als Thema auch im Rahmen dieser Kulturwoche weiterbehandelt wird.
Derzeit läuft in Georgien auch ein zweiwöchiges von Österreich finanziertes Konfliktmanagementseminar in der Bergregion Gudauri mit je 10 Teilnehmern aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan, das von der Friedensuniversität in Stadtschlaining zusammen mit dem Caucasian Institute für Peace, Democracy and Development organisiert wurde.
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