Ausstellung : "Züchtigung, eine Trauer im Schönen" im österreichischen Kulturforum Rom
30.11.2001
Österreichisches Kulturforum in Rom präsentiert Lois Weiberger, Martin Walde und Guiseppe Penone mit spannenden Installationsprojekt in Ex-Kerker und Garten:
"Züchtigung. Eine Trauer im Schönen"
Die österreichischen Dokumenta-X-Teilnehmer Lois Weinberger und Martin Walde realisieren gemeinsam mit einem Star der italienischen Kunstszene, Giuseppe Penone, ab 30. November 2001 ein mit großem Interesse erwartetes sechsteiliges Installationsprojekt in Rom mit dem Titel "Züchtigung. Eine Trauer im Schönen". Schauplätze der Ausstellung sind ein am Anfang des 18. Jahrhundert errichtetes ehemaliges Jugendgefägnis, der "Ex Carcere im Complesso Monumentale di San Michele a Ripa" und der Garten des von Klaus Wölfer geleiteten Österreichischen Kulturforums am Rande des Villa-Borghese-Parkes.
Der diese beiden sehr konträren römischen Orte thematische verbindende Bogen ist die ausstellungs-titelgebende Züchtigung, die - so das Leitmototiv der Installationen - nicht nur Gefängnisse sondern auch den vom Menschen künstlich angelegten, disziplineirten und seinen Normen unterworfenen Garten kennzeichnen. Jeder der drei Künstler hat mit jeweils einer Installation/einem Eingriff pro Ausstellungsort zu diesem - und zum Verhältnis der beiden Orte zu einander - Stellung genommen. Mit sehr verschiedenen und jedesmal sehr spannenden Ergebnissen. Kuratoren der vom Österreichischen Kulturforum in Rom organisierten Ausstellung sind Christoph Bertsch und Heidrun Sandbichler.
Die Ausstellungsorte und die Installationen:
Das Ex Carcere wurde kurz nach 1700 errichtet und charakterisiert die revolutionäre Wende des Strafvollzuges am Beginn der Neuzeit. Konzentrierte sich bis dahin die Strafe auf den Körper des Verurteilten, den man im Beisein der Öffentlichkeit zu verletzen oder zu zerstören trachtete, erfolgte nunmehr die Isolation und Disziplinierung des Bestraften unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Lois Weinberger und Giuseppe Penone zeigen für diesen Raum eigens erarbeitete künstlerische Eingriffe: Ersterer läßt eine fiktive Gartenanlage entstehen, Penone arbeitet mit einem Zellenblock den er teilweise mit Marmorplatten verschließt. Martin Walde präsentiert seine bereits in Tokyo und Madrid gezeigte Arbeit mit riesigen Seilen, das sich durch die Eingriffe des Besuchers in permanenter Veränderung befindet.
Der Garten und die monumentale Freitreppe des Österreichischen Kulturforums in Rom stammen aus der Mitte der 1930er-Jahre. In dieser Gartenanlage widmet Penone sich seinem Lieblingsthemen: dem Baum. Bereits seine ersten Arbeiten - z.B. das "Seealpenprojekt" - ist ihm gewidmet, viele seiner späteren Arbeiten kreisen um ihn. Im Kulturforum wird einem etwa 50 Jahre alten Baum eine in Bronze gegossene Maske vorgesetzt, aus einem Ast tropft Wasser. Der Gedanke: Der Baum wächst weiter, die Maske bleibt unverändert, wird nach Jahrzehnten wohl vom Baum vereinnahmt und wieder zur Natur. Walde verwirklicht erstmals Teile seines Projektes "Chair/Death/Universe", an dem der Künstler bereits seit 1991 arbeitet. Weinberger nützt die Freitreppe, um seine mit römischer Erde gefüllten Plastiktaschen (Emigrantentaschen) aufzustellen, die mit Samen und Pflanzen des Alpenraumes versehen sind. Von diesem Ort ausgehend wird das gesamte römische Stadtgebiet einbezogen werden: Auf wichtigen Plätze und Strassen, aber auch in Zonen in der Peripherie werden diese Taschen als Inseln aufgestellt werden und ungeschützt, dem Menschen wie der Witterung gleichermaßen ausgesetzt, sich wandeln, im Frühling blühen oder aber bis dahin längst zerstört worden sein.
Die Künstler:
Giuseppe Penone (*1947): lebt und arbeitet in Turin. Dreimaliger Dokumenta-Teilnehmer (''72,''82,''87) und ebenso oft vertreten auf der Biennale von Venedig (''78, ''80, ''95). "Züchtigung" ist erstaunlicherweise Penones erstes großes Ausstellungsprojekt in Rom.
Martin Walde (* 1957): lebt und arbeitet in Wien und New York. Teilnehmer der Dokumenta X (1996). Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. 2001 nahm er an der Ausstellung "Days of hope" im Rahmen der Biennale von Venedig teil.
Lois Weinberger (*1947): lebt und arbeitet in Wien. Teilnehmer der Dokumenta X (1996). Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Bereits 1998 mit einer Gruppenausstellung in der Villa Medici in Rom vertreten.
Pressebesichtigung in Anwesenheit der Künstler: Donnerstag, 29. November 2001 (11.00 Uhr Ex Carcere; ca. 12.30 Uhr Kulturforum, anschließend Buffet)
Eröffnung: Donnerstag, 29. November 2001, 18.00 Uhr Ex-Carcere und 20.00 Uhr Kulturforum. Kostenloser Bustransfer
Dauer der Ausstellung: 30. November 2001 bis 13. Jänner 2002
Öffnungszeiten:
Ex-Carcere: Montag bis Samstag: 10.00 Uhr - 18.00 Uhr
Kulturforum: Montag bis Freitag: 10.00 Uhr - 18.00 Uhr
Geschlossen am 24., 25. und 31. 12. 2001 und am 1.1. 2002
Ausstellungsorte:
Ex Carcere minorile, Complesso Monumentale di San Michele a Ripa
Via di San Michele 25, Trastevere/Rom
Österreichisches Kulturforum, Viale Bruno Buozzi 113, 00197 Rom
Rückfragehinweis:
Direktor Dr. Klaus Wölfer, Österreichisches Kulturforum Rom: Tel. 0039/06/360837-1
Kurator Prof. Christoph Bertsch: Tel: 0043/512/507-4412

