Verteilung der "Wiener Schlußfolgerungen zur Globalen Ethik" als nationales österreichisches Papier
10.04.2000
beim 10. UN- Kongress für Verbrechensverhütung in Wien
Wien, 10.April 2000 - Beim 10. UN-Kongreß für Verbrechensverhütung (Wien, 9.- 17. April 2000) wurden die "Schlussfolgerungen von Wien zur globalen Ethik" als nationales österreichisches Papier verteilt (Text nachstehend).
Diese Schlussfolgerungen sind die Zusammenfassung der Arbeit und der Ergebnisse der Konferenz zu Globalität und Globaler Ethik, die am 11. und 12. Juni 1999 in Wien stattfand. Sämtliche Teilnehmer dieser Konferenz hatten sich mit einer Grundfrage auseinander gesetzt: Kann man der Globalisierung mit ihren negativen Begleiterscheinungen eine glaubhafte und praktisch umsetzbare globale Ethik gegenüberstellen?
Die Beiträge zur Konferenz sind unter dem Titel "Ethik Global, Illusion oder Realität" im Wiener Czernin-Verlag erschienen, im April 2000 kam eine englischsprachige Ausgabe dieses Buches heraus. Beide Werke sind im Buchhandel erhältlich.
Schlussfolgerungen von Wien zu Globalität und Globaler Ethik Hofburg, 12. Juni 1999
Auf Einladung des österreichischen Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten (Staatssekretärin im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, Benita Ferrero-Waldner) und in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Kulturministerium (Staatssekretärin für Multikulturalität und Status der Frauen, Hedy Fry) trafen am 11. und 12. Juni 1999 namhafte Intellektuelle aus unterschiedlichen Bereichen in der Wiener Hofburg zusammen. Die UNESCO entsandte den Direktor der Philosophie-Abteilung, Yersu Kim und die Direktorin der Abteilung für kulturellen Pluralismus, Katérina Stenou. Die Europäische Union war durch die Direktorin der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Beate Winkler, vertreten.
Ziel des Treffens war es, Ideen, Hoffnungen und Bedenken im Zusammenhang mit der Entwicklung einer globalen Ethik zu diskutieren, die der Politik ein Leitfaden sein soll bei der Bewältigung der Herausforderungen, die sich aus der Globalisierung unserer Gesellschaften und Wirtschaften ergeben.
Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass der Begriff der globalen Ethik noch der näheren Definition harrt. Jedenfalls sollte sie jedoch als ein dauerhaft dynamisches Konzept verstanden werden, als "work-in-progress".
Eine der ersten Schlussfolgerungen war, dass der Dialog über globale Ethik breiter gestaltet und vertieft werden muss. Es gilt ihn zu globalisieren und zu demokratisieren, um die Vielfalt der internationalen Gemeinschaft gebührend wiederzugeben. Zahlreiche Stellungnahmen drückten Enttäuschung über mangelnde Fortschritte bei der Umsetzung schon vorhandener, internationaler und nationaler Verbindlichkeiten aus, die Pluralismus in demokratischen Prozessen und Institutionen bereits berücksichtigen. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass der Dialog als solcher in vielerlei Hinsicht ein unverzichtbarer Teil dieses demokratischen Prozesses ist.
Die Konferenzteilnehmer wurden durch ihre Gastgeberin, die österreichische Staatssekretärin im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, daran erinnert, dass ein Kernthema der Tagung die Frage war, auf welche Weise wir unser Zusammenleben mit anderen gestalten wollen. Übereinstimmend wurde die Auffassung vertreten, dass ein Minimum an allgemeinen Prinzipien globaler Ethik bereits gegeben ist.
Die Tagesordnung der Konferenz konzentrierte sich auf drei miteinander zusammenhängende Aspekte der Globalität:
- Globale Ethik und internationaler Dialog
- Globale Ethik und internationale Mediengesellschaft
- Globale Ethik und kultureller Pluralismus
Empfehlungen:
Ein Hauptthema, das sich bald entwickelte, bezog sich auf die Notwendigkeit, einen stärkeren und dauerhaften Zusammenhang zwischen Absichten und Taten herzustellen. Jene Elemente globaler Ethik, die bereits ausdrücklich oder stillschweigend aus bestehenden internationalen Abkommen und Verbindlichkeiten hervorgehen, müssen umgesetzt werden. Der Begriff "Globale Verantwortlichkeit" wurde angewandt, um eine Ethik zu charakterisieren, die die Dauerhaftigkeit von Natur und Umwelt des Menschen gewährleisten soll. Im Zusammenhang mit dem Übergang von Passivität zu aktivem Handeln wurden unter anderem folgende Empfehlungen abgegeben.
Verstärkung des Menschenrechts-Dialogs innerhalb von und zwischen der Öffentlichkeit, den Regierungen, der Zivilgesellschaft, den Religionen und der Geschäftswelt.
Stärkung der Einhaltung menschenrechtlicher Verpflichtungen unter besonderer Berücksichtigung des Schutzes Schwacher und Verletzbarer in unserer Gesellschaft
Verbesserung internationaler Standards in Arbeitsrecht und Arbeitswelt, um den Schutz der Arbeitskräfte vor Ausbeutung zu verstärken
Entwicklung der Fähigkeit von internationalen Streitbeilegungsmechanismen und -institutionen, kulturübergreifende Fragen und Probleme zu lösen
Setzen von Maßnahmen, um journalistische Ethik zu fördern und Fähigkeiten der Öffentlichkeit zu entwickeln, Bewußtsein und Akzeptanz betreffend Menschenrechte, globale Ethik und kulturellen Pluralismus zu stärken. (Beispielsweise internationale Selbstkontrolle - Mechanismen innerhalb der Journalisten-Gemeinschaft, Schwächung der Einflußmöglichkeiten von Arbeitgebern im Medienverband auf Journalisten und andere in diesem Sektor Tätige)
Die offenkundige Unkontrollierbarkeit des Internet und der begrenzte Zugang durch sozial schwache Gruppen wurde als ein negatives Charakteristikum der Globalisierung gesehen, das offen diskutiert werden muss, um das volle Potential des Internet für kulturübergreifenden Respekt und Vertrauen entfalten zu können.
Die Entwicklung innovativer Maßnahmen, um den Missbrauch des Internet zu vermeiden und die bessere Entfaltung seines Potentials für Demokratie und Pluralismus zu entfalten, wurde als eine Priorität gesehen.
Die Schaffung von verbesserten Rahmenbedingungen, um nachhaltige Meinungsvielfalt und pluralistische Perspektiven in nationalen und internationalen Medien zu erzielen (beispielsweise Beschränkungen bei der Konzentration von Eigentümerstrukturen und öffentliche Unterstützung für Medien mit kleinem Marktanteil), wurde von den Konferenzteilnehmern gefordert.
Nationale und internationale Politik muss in einer Art und Weise formuliert und umgesetzt werden, die kulturelle Vielfalt als dauerhafte und positive Grundeigenschaft einer globalisierten Gesellschaft anerkennt, sie aktiv fördert und darauf aufbaut.
Gefährdete Völker und Sprachgemeinschaften sowie Kulturen werden einer Vielzahl von Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen bedürfen, um deren Nachhaltigkeit zu gewährleisten.
Erziehung zu Pluralismus und Menschenrechten ist notwendige Voraussetzung für die Entwicklung und Umsetzung globaler Ethik. Die Fähigkeit der Weltsprachen und -kulturen muss erhalten werden, neue Technologien zu nutzen und die Argumente für Pluralismus ausdrücken und somit kommunizieren zu können. Hier liegt eines der wichtigen Ziele heutiger Bildung und Ausbildung.
