Wendelin Ettmayer
Wendelin Ettmayer: Eine geteilte Welt

- Cover "Eine geteilte Welt"
Machtpolitik und Wohlfahrtsdenken in den Internationalen Beziehungen des 21. Jahrhunderts.
Trauner Verlag, Linz 2003, 224 Seiten, Hardcover, ISBN 3-85487-460-X
Rezension von Egon Matzner
Rezension von Egon Matzner
Es gibt wenige Diplomaten, die sich über die Welt, in der sie agieren, so gründlich vergewissern, wie dies Wendelin Ettmayer, zur Zeit Österreichs Botschafter in Kanada und der Karibik, tut. Er tut dies verdienstvollerweise in literarischer Form und so gekonnt, dass daraus ansehnliche Bücher werden. Nach seinem hochinformativem Bericht über Finlands Erfolgsgeschichte (Finland - Ein Volk im Wandel. Berlin Verlag und Österreich Verlag 1999) legt er nun einen neuen Band über den Zustand der Weltpolitik vor, der folgende Vorzüge aufweist:
- Ettmayer beginnt mit einem spannenden Überblick über die Geschichte der Machtpolitik, die bis zum 2.Weltkrieg den Primat in der Außenpolitik souveräner Staaten bildete.
- Er erkennt den Wandel von der Machtpolitik zum Wohlfahrtsdenken, das sich in der UNO und ihren Organisationen sowie den Bretton Woods - Institutionen und darüber hinaus, vor allem in den reichlich sprießenden Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) manifestiert.
- Eingeführt wird in die neuen Ziele der Außenpolitik, in das neue Instrument der Großkonferenzen, von der Erziehung (Jemtien 1990), über die Bevölkerungsentwicklung (Kairo 1994) bis zur Entwicklungs-Finanzierung (Monterrey 2002) und in die „neuen Players" in den internationalen Beziehungen, die NGOs, die Medien (CNN) und die multinationalen Unternehmungen.
- Erklärt wird schließlich die gegenwärtige Vorherrschaft der USA, deren Politik der Unipolarität, die nicht von heute ist, durch die Existenz der Sowjetunion lediglich unterbrochen worden ist und nunmehr in der „National Security Strategy" vom September 2002 auf die Spitze getrieben wird.
- Den so erreichten Zustand nennt Ettmayer „organisierte Anarchie", in der neben der alten Machtpolitik, zu der heute nur mehr die USA fähig ist, andere Logiken zu Werke sind.
- Ettmayer endet mit Schlußfolgerungen für Österreich, die jedoch für andere Staaten, die in der gleichen Liga spielen, ebenso gelten. Er verweist auf das weite Feld jenseits der Machtpolitik, auf dem professionelle Kompetenz und praktikable Ideen erfolgreich von „kleineren" Spielern, in Kooperation mit anderen, lanciert werden können. Die Diplomatie sollte gezielt und mit Nachdruck diese Chancen wahrnehmen.
Wenn man an dem Buch etwas kritisch anmerken wollte, dann beträfe dies vielleicht den übergroßen Akzent, mit dem Wohlfahrtsdenken und sozialstaatliche Vorsorge bedacht werden. Beide befinden sich seit einiger zeit in einem Rückzugsgefecht. Eine Trendumkehr wird gewiss kommen, sie ist jedoch noch nicht abzusehen. Damit zusammen hängt die Betonung der Rolle des Konsumenten und die Vernachlässigung des Investors. Ob als produzierendes oder dienstleistendes Unternehmen oder ob als Financier, Versicherer oder Intermediär, der Investor ist von globaler wie lokaler Gestaltungs- und Wirkungskraft. Das gehört schwerpunktmäßig sicherlich in ein anderes Buch, sollte jedoch unter den Rubren „Internationale Beziehungen", „geteilte Welt" und „organisierte Anarchie" zumindest erwähnt werden.
Das jüngste Buch von Wendelin Ettmayer führt in die neue Welt ein und bietet einen guten Überblick über deren Entwicklungsetappen, Institutionen und Akteure. Es besticht durch gute Lesbarkeit. Der Autor, der dieser Tage seinen 60er begeht, ist deshalb auch zu seinem neuen Wurf zu beglückwünschen.
Alte Staaten – neue Welt - Stabilität und Wandel in den internationalen Beziehungen

- Buchcover - Alte Staaten - Neue WeltBild: Trauner Verlag
Inhalt
Jahrhundertelang war Außenpolitik Machtpolitik. Ihr Ziel war die Erhaltung
der Souveränität und der Macht des Staates. Demgegenüber nimmt heute
bei vielen Ländern das Wohlfahrtsdenken einen bedeutenden Platz bei der
Gestaltung der internationalen Beziehungen ein.
Anliegen zum Schutz der Menschen, wie der Kampf gegen Armut, Hunger und Aids, Umweltschutz,
Menschenrechte, Frauenemanzipation und das Wohl der Kinder rücken in
den Vordergrund. Für diese Außenpolitik stehen Internationale Organisationen
und Großkonferenzen; die neuen Player sind NGOs, Medien und
multinationale Unternehmen.
Auch die Entwicklung zum „Weltstaat“ ist widersprüchlich: einerseits haben
sich Ideen, wie etwa die Menschenrechte, die Marktwirtschaft oder das Bekenntnis
zum Umweltschutz weltweit ausgebreitet. Andererseits gibt es nach
wie vor Ideologien, die trennen: Nationalistische Bestrebungen haben weltweit
genauso neue Fronten eröffnet wie der islamische Fundamentalismus.
All diese Entwicklungen sollen in diesem Buch in fünf Teilen behandelt werden:
- Die traditionelle Außenpolitik – Machtpolitik als bestimmende Kraft der Internationalen Beziehungen
- Die Alte Welt der Staaten
- Eine neue Außenpolitik – Wohlfahrtsdenken in den internationalen Beziehungen
- Tendenzen zum Weltstaat
- Neue Wesenszüge in den internationalen Beziehungen
Zum Autor
Dr. Wendelin Ettmayer wurde am 1. August 1943 in Linz geboren; Matura am Akademischen Gymnasium in Linz, 1960/1961 Besuch der Pacelli High School in Austin/Minnesota, 1966 Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, 1966/67 Studium der Politikwissenschaften an der Universität Paris.
Nach dem Besuch der Diplomatischen Akademie in Wien 1969 Eintritt in den diplomatischen Dienst; 1977-1993 Abgeordneter zum Nationalrat; 1994-1997 österreichischer Botschafter in Esatland; 1994 bis Jänner 2000 österreichischer Botschafter in Helsinki, von Jänner 2000 bis Dezember 2003 österreichischer Botschafter in Kanada und Jamaika; seit April 2005 Ständiger Vertreter Österreichs beim Europarat in Straßburg.
Bisher sind von Dr. Wendelin Ettmayer folgende Bücher in unserem Verlag erschienen:
Eine geteilte Welt - Machtpolitik und Wohlfahrtsdenken in den internationalen Beziehungen des 21. Jahrhunderts (2003); Jamaika - mehr als Rum und Reggae (2004).
