Martin Falb
Gedanken zur Flexibilität – Mobilität und Rotation im auswärtigen Dienst

- Buchcover: Herausforderung VerwaltungsreformBild: IV
in: Sorger/Beyrer [Hg.]: Herausforderung Verwaltungsreform – Best Practice Beispiel für effiziente Verwaltung. Industriellenvereinigung. Wien 2008.
Publikationen der Industriellenvereinigung
Der Berufsalltag der Menschen in der heutigen Zeit erfordert immer mehr berufliche Flexibilität. Der Wechsel des Arbeitgebers, örtliche Mobilität sowie die Voraussetzung der ständigen Weiterbildung gelten heute als Prämisse in der beruflichen Welt. Das gilt auch für den öffentlichen Dienst.
Das Außenministerium mit seiner Zentrale in Wien und über 100 Vertretungsbehörden in allen Erdteilen lebt seit jeher Mobilität und Rotation und damit Flexibilität in Vollendung. Viele Bedienstete verbringen auch eine Anzahl von Berufsjahren in Institutionen der EU oder in anderen internationalen Organisationen.
Für die Betroffenen bedeutet dies in aller Regel tiefe Einschnitte in das Privat- und Familienleben. Die Übernahme neuer Arbeitsinhalte, aber auch die Erlernung neuer Sprachen gehören zum Berufsleben. Meist bedeutet eine Versetzung ins Ausland für den Ehe- oder Lebenspartner die Aufgabe der eigenen Erwerbstätigkeit. Dazu kommt die Eingliederung in ein völlig neues soziales Umfeld und in eine neue schulische Umgebung für die Kinder. Auch die Mühen einer Übersiedlung ins Ausland darf man nicht unterschätzen. Das Außenamt unterstützt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei so gut es geht und übernimmt den finanziellen Aufwand.
Die Arbeit im Außenministerium erfordert aus all’ den Gründen ein hohes Maß an Enthusiasmus und Idealismus.
Die Beamtinnen und Beamten des Außenministeriums haben mit 63,79 Jahren eines der höchsten Pensionseintrittsalter im Bundesdienst. Der Rückschluss auf eine sehr große Berufszufriedenheit in allen Verwendungsgruppen ist zulässig.
Der Gesetzgeber ist aufgefordert, auch in anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung für mehr Flexibilität zu sorgen, sie zu belohnen und in manchen Bereichen zu erzwingen. Berufliche und persönliche Veränderung und die Bewältigung der damit einhergehenden Herausforderungen und Schwierigkeiten bergen viele Chancen.
Gratis arbeiten für die Republik - Anachronismus oder Zukunftsmodell?
in: Beilage der Wiener Zeitung vom 5. Mai 2009, Seite 14.
Dieser Beitrag beschreibt zwei ganz und gar traditionelle Modelle der Arbeit für die Republik, die ein Merkmal gemeinsam haben: Sie erfolgen unentgeltlich. Honorarkonsuln und Ehegatten ("spouses") von Angehörigen des Auswärtigen Dienstes leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Vertretung der Republik im Ausland, ohne dafür besoldet zu werden. Beide Modelle sind aus Sicht einer kostengünstigen Verwaltung optimal! Nachahmenswerte Beispiele, wenn man davon ausgeht, dass unter "moderner" oder "innovativer" Verwaltung dieser Tage vor allem eine "kostengünstige" Administration verstanden wird.
Was nach Provokation klingt, soll Provokation sein! Der Autor will zu gewagten Gedanken verleiten, einen in der Öffentlichkeit wenig ausgeleuteten Teil des Staatshandelns näher präsentieren und - besonders was die Lage der Familienangehörigen von Diplomaten in einer völlig gewandelten gesellschaftlichen und sozialen Realität anlangt - Verständnis für Verbesserungen wecken.
Zum Autor
Mag. Martin Falb war bis März 2009 Sektionsleiter im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten und ist seit April 2009 Klubdirektor im Parlament.
